Festnahmen

Brüsseler Attentäter planten weitere Paris-Anschläge

Nicht Brüssel, sondern Paris: Das war laut Behörden das Ziel der Terroristen in Belgien. Zuvor gelang den Ermittlern ein großer Fang.

Die drei Verdächtigen auf einer Überwachungskamera des Flughafens Brüssel.

Die drei Verdächtigen auf einer Überwachungskamera des Flughafens Brüssel.

Foto: Federal Police / dpa

Brüssel.  Die Islamisten hinter den Anschlägen von Brüssel wollten nach Erkenntnissen der belgischen Staatsanwaltschaft ursprünglich ein zweites Mal Paris angreifen. „Zahlreiche Aspekte der Ermittlungen haben ergeben, dass die Terrorgruppe zuerst wieder in Frankreich zuschlagen wollte“, hieß es in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung. Jedoch seien die Attentäter von den Fortschritten der Ermittlungen gegen sie überrascht worden und hätten sich daher entschlossen, rasch vor Ort zuzuschlagen. Daher sei Brüssel als Ziel gewählt worden.

Den Ermittlern gelang zuvor der lang ersehnte große Fang: Mit Abrini ist der „Mann mit dem Hut“ gefasst, den Überwachungskameras am Brüsseler Flughafen an der Seite der Selbstmordattentäter filmten. Mit Osama K. ist zudem der zweite überlebende Terrorverdächtige in Haft, der an einem der Brüsseler Tatorte beobachtet wurde. Er konnte als Begleiter des Attentäters, der sich in der Metro in die Luft sprengte, identifiziert werden.

Auch beim Einkauf der Taschen, die die Terroristen bei den Anschlägen nutzen, sei Osama K. dabei gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ihm wird die Beihilfe zu terroristischen Morden zur Last gelegt. Gegen ihn, Abrini und zwei weitere mutmaßliche Komplizen wurde Haftbefehl erlassen, allen wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Enge Verbindung der Attentate von Brüssel und Paris

Die Festnahme von Mohamed Abrini indes ist mehr als ein Fahndungserfolg für die viel kritisierten belgischen Behörden. An der Personalie Abrini wird deutlich, dass die islamistischen Attentäter von Paris und Brüssel womöglich eine einzige Terrorzelle bildeten.

Es ist auch just diese mutmaßliche Beteiligung an den Pariser Anschlägen, die Abrini am Samstag vorgeworfen wird – noch bevor bekannt wird, dass er tatsächlich der mysteriöse Hut-Mann ist. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in leitender Funktion sowie terroristische Morde werden dem 31-jährigen Belgier zur Last gelegt.

Schon seit Monaten stand er auf der Fahndungsliste von Interpol. „Das ist ein sehr großer Fang, vielleicht ebenso wichtig wie Abdeslam“, sagte der Vorsitzende der Untersuchungskommission der französischen Nationalversammlung zu den Pariser Anschlägen, Georges Fenech, dem Sender BFMTV.

Kamera-Aufnahmen in Nähe von Paris

Doch seine Rolle bei der Pariser Mordserie, die 130 unschuldige Menschen das Leben kostete, ist noch sehr unklar. Als er Ende November öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben wurde, beteuerte seine Familie, dass Mohamed Abrini am Abend des 13. November in Brüssel war, er habe dort mit seiner Verlobten den Mietvertrag für eine Wohnung unterschrieben.

In den Tagen vor den Anschlägen aber war Abrini mit dem Terrorverdächtigen Salah Abdeslam unterwegs. Eine Überwachungskamera filmt Mann mit Trainingshose und akkurat gestutztem Bart am Abend des 11. Novembers an der Autobahntankstelle von Ressons, keine 90 Kilometer nördlich von Paris. Abrini steigt mit Snacks in der Hand ins Auto. Sein Begleiter: Salah Abdeslam, der Wagen: der schwarze Renault Clio, den die Attentäter später benutzen. Zudem soll das Duo in einem Apartment-Hotel eine Unterkunft für die Terroristen gemietet haben.

Mindestens logistische Unterstützung

Französische und belgische Medien erwähnen weitere Fahrten zwischen Brüssel und Paris. „Libération“ schreibt sogar, Abrini sei in einem Konvoi dreier Wagen mitgefahren, der die Terroristen am 12. November zur französischen Hauptstadt brachte – eine Bestätigung dafür gibt es bislang allerdings nicht.

Doch insgesamt ergeben die Puzzleteile ein Bild, dass mindestens eine logistische Unterstützung der Pariser Mordserie plausibel erscheinen lassen. Seine Festnahme nährt damit weitere Hoffnungen, offene Fragen klären zu können. Und sie untermauert die Verbindung zwischen den Anschlägen von Brüssel und Paris.

Wie Abrini am Ende aufgespürt wurde und ob die Aufrufe der Polizei dazu beigetragen haben, blieb zunächst unklar. Was aus den kennzeichnenden Kleidungsstücken des Gesuchten wurde, teilte die Staatsanwaltschaft hingegen ganz offiziell mit: Die helle Jacke hat Abrini nach eigenen Angaben in einen Mülleimer geworfen. Seine Kopfbedeckung hat der „Mann mit dem Hut“ weiterverkauft. (dpa)