ARD-Deutschlandtrend

Umfrage: Mehrheit der Deutschen lehnt EU-Türkei-Deal ab

Die Deutschen blicken skeptisch auf den EU-Türkei-Deal: 58 Prozent sagen, das Abkommen sei schlecht. Das Vertrauen in Ankara schwindet.

Der starke Mann aus Ankara: Präsident Recep Tayyip Erdogan ist seit der Flüchtlingskrise in einer komfortablen Verhandlungsposition.

Der starke Mann aus Ankara: Präsident Recep Tayyip Erdogan ist seit der Flüchtlingskrise in einer komfortablen Verhandlungsposition.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Berlin.  Die Mehrheit der Deutschen steht laut einer aktuellen Umfrage dem EU-Türkei-Abkommen zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen kritisch gegenüber. 56 Prozent der Befragten halten das Abkommen für schlecht, wie aus einer vom WDR veröffentlichten Umfrage des ARD-„Deutschlandtrends“ hervorgeht.

39 Prozent bewerteten das Abkommen als eher gut. Damit hat sich die Beurteilung mit dem Inkrafttreten der Vereinbarung verschlechtert. Im März waren die Deutschen bei der Bewertung des Vorhabens noch gespalten. Damals hielten 49 Prozent das geplante Abkommen eher für schlecht, 46 Prozent hielten es eher für gut.

Zweifel an Rückgang der Flüchtlingszahlen

Skeptisch seien die Befragten auch, ob durch das Abkommen tatsächlich die Zahl der Flüchtlinge zurückgeht, erklärte der WDR. 40 Prozent seien der Meinung, es kämen weniger Flüchtlinge nach Deutschland. 41 Prozent erwarteten, dass die Flüchtlingszahl gleich bleiben werde. Dass durch das Abkommen mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, glauben lediglich 14 Prozent. Für die repräsentative Umfrage wurden am 4. und 5. April bundesweit mehr als 1.000 Menschen interviewt.

Seit Anfang dieser Woche werden die ersten Syrer im Rahmen des EU-Türkei-Abkommens nach Deutschland geflogen. Die EU hatte den Flüchtlingspakt mit der Türkei am 18. März geschlossen. Danach sollen alle Menschen, die seit dem 20. März irregulär von der Türkei aus auf die griechischen Inseln gelangt sind, zurückgeführt werden, es sei denn, sie erhalten Asyl. Im Gegenzug will die EU Syrer aus der Türkei aufnehmen.

Mehrheit hält Türkei nicht für vertrauenswürdig

Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Abkommen. Erwartet wird, dass Griechenland die meisten Anträge von Flüchtlingen gar nicht inhaltlich prüft, sondern als unzulässig zurückweist und die Menschen mit dem Argument in die Türkei zurückschickt, dass sie dort bereits sicher seien.

Skeptisch blicken die Deutschen indes auch auf die Türkei. Eine große Mehrheit der Deutschen hält das Land nicht für einen vertrauenswürdigen Partner. 79 Prozent der Bürger sagen, dass die Türkei ein Partner für Deutschland sei, dem man nicht vertrauen kann. 17 Prozent finden dagegen, der Türkei könne man vertrauen. Frankreich ist beispielsweise für 89 Prozent ein vertrauenswürdiger Partner (plus drei Punkte im Vergleich zum April 2015). Großbritannien vertrauen 73 Prozent (plus vier Punkte) der Deutschen, den USA 58 Prozent (plus acht Punkte). (epd/rtr)