Moskau –

Cellist Roldugin machte parallel zu Putin Karriere

In Russland heißt es, die Nähe zur Macht sei bares Geld wert

Moskau. Als dem jungen KGB-Offizier Wladimir Putin und seiner Frau Ljudmila 1985 im damaligen Leningrad eine Tochter geboren wurde, besuchte die kleine Familie die Datscha eines Freundes. Der hieß Sergej Roldugin und war Erster Cellist am Mariinski-Theater. Die Freundschaft des Musikers mit dem sowjetischen Geheimdienstler war schon einige Jahre alt. Ein bekanntes Foto zeigt zwei junge Ehepaare, Baby Maria schläft friedlich auf dem Arm der Mutter.

Heute ist Putin (63) russischer Präsident, Roldugin (64) hat öffentlich Karriere als Musiker gemacht – und weniger öffentlich als Geschäftsmann. Seit Roldugins Name in den „Panama Papers“ als Inhaber mehrerer Offshorefirmen aufgetaucht ist, wird in Russland und weltweit über die Verbindung der beiden Männer gerätselt. Viele Freunde Putins seien unter seiner Herrschaft zu Reichtum gekommen, betonten Antikorruptionsexperten immer wieder.

Den Kontakt zu Putin stellte angeblich Roldugins älterer Bruder Jewgeni her, der wie Putin an der Leningrader KGB-Schule ausgebildet wurde. „Das war wohl 1977. 2003 – da war Putin vier Jahre Präsident – wurde Roldugin Leiter des Konservatoriums in St. Petersburg. Ab 2006 baute er das Petersburger Haus der Musik in einem früheren Großfürstenpalais auf. Das Geld für die Sanierung stammte aus einem Fonds, der auch beim Wiederaufbau des Konstantin-Palastes im Vorort Strelna half. Dort hielt Putin 2006 einen G8-Gipfel ab.

Nach einem Konzert in Moskau befragte die „Nowaja Gaseta“ Roldugin zu seinen Geschäften und erhielt eine ausweichende Antwort. „Das sind delikate Dinge“, sagte der Künstler. Bekannt sei, dass er einen Anteil von 3,2 Prozent an der Bank Rossija halte, schrieb die Wirtschaftszeitung „RBK“. Die US-Regierung sieht Rossija als Hausbank des engsten Kreises um Putin und hat sie 2014 mit Sanktionen belegt. Aus dem Umfeld von Rossija stammen auch viele Unternehmer, mit denen laut Daten der „Panama Papers“ Roldugins angebliche Briefkastenfirmen Geschäfte machten.