US-Wahlkampf

Trump fordert Strafen für Abtreibungen – und wird bestraft

Donald Trump, der Frauen(nicht)versteher: Der Präsidentschaftskandidat hat sich mit Äußerungen zum Thema Abtreibung unbeliebt gemacht.

Macht sich mit seinen Ansichten zum Thema Abtreibung keine Freunde: Donald Trump.

Macht sich mit seinen Ansichten zum Thema Abtreibung keine Freunde: Donald Trump.

Foto: MARK KAUZLARICH / REUTERS

Washington.  Verspielt der aussichtsreichste Kandidat auf das republikanische Präsidentschaftsticket in den USA in der weiblichen Wählerschaft seine Chancen? Nach ebenso widersprüchlichen wie kontroversen Äußerungen zum Thema Abtreibung muss der New Yorker Bau-Unternehmer Donald Trump damit rechnen, dass seine Popularitätswerte bei Frauen weiter in den Keller gehen. 65 Prozent aller Wählerinnen haben laut einer Umfrage von Reuters/Ipsos einen „sehr unvorteilhaften“ Eindruck von dem 69-Jährigen. Ein Interview mit dem Fernsehsender MSNBC könnte laut US-Medien nun das „Fass zum Überlaufen“ bringen.

Trump hatte dort gefordert, dass Frauen für Schwangerschaftsabbrüche „in irgendeiner Art bestraft werden müssen“, falls Abtreibung in Amerika wieder verboten würde. Auf Nachfrage des Moderators, ob sich die Strafforderung allein auf die Frauen beziehe, sagte Trump ja, weigerte sich aber, Art und Umfang der Strafe zu konkretisieren.

Proteststurm in den sozialen Medien

Binnen Minuten entwickelte sich in den sozialen Netzwerken ein Proteststurm. Tausende erinnerten an die Tatsache, dass Abtreibung in den USA auf Grundlage eines Urteils des Obersten Gerichtshofes von 1973 legal ist. Trumps parteiinterne Widersacher im Rennen um die Präsidentschaftsbewerbung, Ted Cruz und John Kasich, schlossen sich der Kritik an. „Trump sagt alles, um Aufmerksamkeit zu erlangen“, erklärte Cruz, selbst ein beinharter Abtreibungsgegner. Er nannte das Gerede um Bestrafung verfehlt. Frauen sollten vielmehr gestärkt werden, „Leben in die Welt zu bringen“.

Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton erklärte via Twitter: „Gerade wenn man dachte, dass es nicht schlimmer werden könnte“, setze Trump immer noch einen drauf. „Wir können jemanden mit so viel Verachtung für die Rechte der Frauen nicht in die Nähe des Weißen Hauses lassen.“

Trump rudert zurück

Im Trump-Lager war die Aufregung groß. Der Unternehmer muss sich am 5. April im Bundesstaat Wisconsin der nächsten Vorwahl stellen und kann sich keine Wählerverprellung leisten. Dort liegt sein Widersacher Cruz bisher mit zehn Prozentpunkten vorn. Also tat Trump das, was er höchst ungern und selten tut: zurückrudern. Wenige Stunden nach dem missglückten Interview vollzog der gerade zum achten Mal Großvater gewordene Geschäftsmann eine 180-Grad-Wende. „Die Frau ist in diesem Fall ein Opfer, genau wie das Leben in ihrem Leib“, sagte er. Nicht die Frauen, sondern die behandelnden Ärzte seien juristisch zu belangen. Er selbst bleibe bei seiner Haltung: Schutz des ungeborenen Lebens – aber mit Ausnahmen. Bei Vergewaltigung, Inzest oder Gefährdung des Lebens der Mutter seien Abtreibungen vertretbar, hatte Trump bereits in der Vergangenheit gesagt.

Bleibt die Frage, warum Trump das Thema überhaupt angeschnitten hat, wo doch die Rechtslage eindeutig ist. Im Juni entscheidet der Oberste Gerichtshof in Washington über den Bestand von Abtreibungskliniken in Texas. Fällt das Urteil negativ aus, könnten Schwangerschaftsabbrüche im ganzen Land de facto verunmöglicht werden. Genau das, was erzkonservative und evangelikale Wählerschichten verlangen. „Trump hat mit dieser Erwartungshaltung gespielt“, schreibt ein Leser des Online-Portals Slate, „und verloren.“