US-Wahlkampf

Trump will Deutschland in der Nato stärker zur Kasse bitten

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Dirk Hautkapp

Foto: Shawn Thew / dpa

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump holt mal wieder zum Rundumschlag aus – und spart dabei auch nicht mit Kritik an Deutschland.

Washington.  Im Falle seiner Wahl will der favorisierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner Donald Trump Amerikas Finanzbeitrag für die Nato drastisch senken und anderen Mitgliedstaaten des Verteidigungsbündnisses, darunter Deutschland, deutlich höhere Lasten aufbürden.

Bei einem Redaktionsbesuch der Zeitung „Washington Post“, bei der Trump erstmalig sein von Senator Jeff Sessions (Alabama) geführtes außenpolitisches Berater-Team vorstellte, erklärte der New Yorker Bauunternehmer, dass die Nato Amerika „ein Vermögen“ koste. „Wir können uns das ganz eindeutig nicht mehr leisten.“

Gesondert ins Gericht ging Trump, der bereits mehrfach sein Missfallen über die Amtsführung von Bundeskanzlerin Merkel in der Flüchtlingskrise zum Ausdruck brachte, mit Berlin. „Warum kümmert sich Deutschland mit der Nato nicht um die Ukraine? Warum machen andere Länder nichts, die in der Nachbarschaft der Ukraine liegen? Warum sind immer wir diejenigen, die führen, eventuell den dritten Weltkrieg mit Russland“, sagt der Geschäftsmann den Chefredakteuren der Hauptstadtzeitung. „Es gibt viele Länder, die zahlen können und die viel zahlen können.“

Berlin will Nato-Beiträge erhöhen

Amerika bezahlte im vergangenen Jahr knapp 72 Prozent des knapp 900 Milliarden Dollar großen Budgets der 28 Nato-Staaten. Zum Vergleich: Deutschland liegt mit derzeit 1,2 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts deutlich unter der vorgegebenen Zwei-Prozent-Ausgabenvorgabe, die außer Amerika nur England, Griechenland, Polen und Estland erfüllen. Bis 2019 will Berlin die Nato-Beiträge auf 35 Milliarden Euro im Jahr erhöhen, nötig wären 58 Milliarden. In welcher Größenordnung Trump, falls er im November gewählt würde, den US-Kostenanteil an der Nato senken würde, sagte der umstrittene Populist nicht. Sein Plädoyer für finanzielle Bescheidenheit und allgemeine Zurückhaltung des Weltpolizisten USA will Trump dem Vernehmen nach zu seiner neuen außenpolitischen Erkennungsmarke machen.

Generell habe Amerika in den vergangene Jahren zu viel für militärische Interventionen und zu wenig für die Modernisierung maroder Infrastruktur im eigenen Land, sagte der 69-Jährige. Militäreinsätze wie im Irak und in Afghanistan seien mit ihm nicht zu machen. „Ich glaube, die Welt ist heute anders, und ich denke, wir sollten nicht mehr Nationen aufbauen“, sagte er. „Wir haben 19 Billionen Dollar Schulden.“ Unter seiner Führung werde Amerika einen „leichten“ militärischen Fußabdruck hinterlassen.

Aussagen gegenüber der Zeitung, die ihm in der Vergangenheit regelmäßig außenpolitische Borniertheit vorgehalten hatte, standen in krassem Gegensatz zu Äußerungen vor dem einflussreichen jüdischen Lobbyverband Aipac. Bei der Jahrestagung der Gruppe in Washington versprach Trump Israel einen uneingeschränkten Schulterschluss und die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Niemals würde er Entscheidungen der Vereinten Nationen, der Trump jedes Verhandlungsgeschick bei der Förderung von Demokratie und Freiheit absprach, gegen Israel mittragen. „Sie werden mein Veto kriegen, zu 100 Prozent.“ Trump wies die Verantwortung für die desaströse Lage im Nahen Osten allein den Palästinensern und den sie stützenden Anrainer-Staaten zu.

Atom-Deal mit Iran komplett aufheben

Unter seiner Präsidentschaft würde der von Präsident Obama ausgehandelt Atom-Deal mit dem Iran komplett aufgehoben und Teheran kompromisslos zur Verantwortung gezogen. „Wir werden das weltweite Terror-Netzwerk des Iran zerstören. Glaubt mir.“ Vor der Rede vor mehreren Tausend Zuhörern wurde über den Protest von Hunderten Rabbis spekuliert, die in Trump einen unverantwortlichen Polarisier sehen. Die Missfallensbekundungen blieben aus. Trump erhielt für seinen Treueschwur zu Israel Ovationen im Stehen.

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