Staatsbesuch

Kuba zeigt kurz vor Obamas Landung sein hässliches Gesicht

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Dirk Hautkapp
Barack Obama und die First Lady Michelle Obama (zweite von rechts) sind auf Kuba gelandet.

Barack Obama und die First Lady Michelle Obama (zweite von rechts) sind auf Kuba gelandet.

Foto: Alejandro Ernesto / dpa

Die Augen der Weltöffentlichkeit sind auf Kuba gerichtet. Doch noch kurz vor dem Besuch von Barack Obama zeigt Kuba offen seine Gewalt.

Havanna.  Es war eine Macht-Demonstration, wie sie jeden Sonntag in Havanna stattfindet. Aber diesmal sahen so viele Fernsehkameras zu wie noch nie. Kurz vor der Landung von US-Präsident Barack Obama in Kubas Hauptstadt nahmen Polizisten vor der Santa Maria-Kirche im Stadtteil Miramar Dutzende Regime-Gegner der sozialistischen Castro-Regierung auf teilweise brutale und entwürdigende Weise fest.

Die „Damen in Weiß“, die sich seit langem für Menschenrechte und politische Gefangene einsetzen, wurden auf ihrem traditionellen Schweigemarsch von uniformierten Kräften festgesetzt. Männer und Frauen in Zivil, die von Oppositionellen im Gespräch mit unserer Redaktion als „Vertreter der Geheimpolizei“ identifiziert wurden, schrien die Frauen nieder: „Das hier ist Fidels Straße.“ Gemeint war Fidel Castro, der längst sieche und von seinem Bruder Raul in der Staatsführung ersetzte Revolutionsführer von 1959.

Gewalt vor den Augen der Weltöffentlichkeit

Obwohl etliche ausländische Fernsehsender ihre Teams vor Ort hatten, insgesamt berichten knapp 2000 Journalisten über den bis Dienstagabend dauernden historischen Besuch des amerikanischen Präsidenten, kannte die Staatsgewalt keine Nachsicht. Demonstrantinnen wurden über den Boden geschleift und in Busse verfrachtet. Das Regime, dass die Protestler für Umstürzler hält, die Kuba destabilisieren wollen, zeigte sich von seiner hässlichen Seite.

Nach Angaben aus Kreisen der US-Delegation, in der sich mehrere Wirtschaftsvertreter befinden, die in Kuba Marktchancen testen wollen, wird Obama den Zwischenfall am Dienstagmorgen bei Gesprächen mit Oppositionellen thematisieren. Dazu werden die handverlesenen Gäste jeweils aus ihren Privatwohnungen in Havanna abgeholt und zur amerikanischen Botschaft gebracht. Sie werden dort im Fernsehen die Rede Obamas sehen, der sich im Gran Teatro Alicia Alonso an das kubanische Volk wenden will. Später wird der Präsident mit den Regime-Gegnern zu einem ausführlichen Gespräch zusammentreffen. Unter den Eingeladenen ist auch Berta Soler, die Anführerin der „Damen in Weiß“. Auch sie war nach dem Kirchgang am Palmsonntag verhaftet worden.

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