Trauer

Eric Schweitzer: „Es entstand eine echte Freundschaft“

DIHK-Präsident und Alba-Chef Eric Schweitzer trauert um Guido Westerwelle.

Eric Schweitzer und Guido Westerwelle in November 2010 in Berlin

Eric Schweitzer und Guido Westerwelle in November 2010 in Berlin

Foto: DAVIDS/Darmer

„Genau eine Woche ist es her, dass ich Guido Westerwelle öffentlich zitiert habe. Bei unserer Spendengala zugunsten des Vereins KINDerLEBEN, der die Kinderkrebsstation der Charité unterstützt, habe ich einige Sätze aus seiner Biografie vorgelesen, in der er seine Krebserkrankung beschreibt. Auch wenn wir alle um seine Krankheit wussten: Guidos Tod schockiert mich.

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Bei unserer ersten Gala vor 16 Jahren habe ich ihn kennengelernt. Auf dem politischen Parkett hatten sich unsere Wege bis dahin nie gekreuzt. Als ich nach meiner etwas wackeligen Begrüßungsrede (es war ja eine Premiere, und ich war in öffentlichen Reden nicht geübt) an meinen Tisch zurückkehrte, bekam ich sofort eine ungefragte Stilkritik: „Mit beiden Händen in der Hosentasche sieht nicht gut aus“, sagte Westerwelle. „Sie wissen nicht, was Sie mit den Händen während der Rede tun sollen. Das geht mir auch so. Nehmen Sie einen Stift in die Hand, das macht ruhiger.“ Ja, Guido Westerwelle konnte direkt sein, in frühen Jahren auch mal undiplomatisch. In der Öffentlichkeit hat er polarisiert wie wenige. Aber wenn er Vertrauen gefasst hatte, öffnete er sich. Wir besuchten uns privat, und es entstand eine echte Freundschaft, die jenseits des Politischen gedieh. Vielleicht gerade deshalb. Sicher, wir teilten eine geistige Grundhaltung, von der marktwirtschaftlichen Überzeugung bis zur optimistisch-liberalen Lebenseinstellung. Aber entscheidender war: Guido hatte eine Haltung, und er trat für sie ein.

Ich habe immer ein wenig bewundert, wie er das ausgehalten hat: sich in den Medien, in der Öffentlichkeit diffamieren und verprügeln zu lassen für seine Meinung, seine Politik und seine Partei. Nach außen hin hat er sich verpanzert, um die Angriffe abprallen zu lassen. Ich habe privat einen ganz anderen Guido erlebt und schätzen gelernt: Einen Menschen, der tief im Innern ein gute, eine feinfühlige Seele hatte. Einen Menschen, der sich sehr viel differenzierter ein Urteil bildete, bevor er es vehement und manchmal laut vortrug. Einen Menschen, der ein Herz hatte für Schwache.

Du wirst uns fehlen, diese Formulierung trifft es nicht. Du fehlst mir und unserem Freundeskreis schon jetzt.“

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