Abschied

Klaus Wowereit: „Eine große Vertrautheit zwischen uns“

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erinnert sich an Guido Westerwelle.

Klaus Wowereit und Guido Westerwelle im Juni 2010 im Bundestag

Klaus Wowereit und Guido Westerwelle im Juni 2010 im Bundestag

Foto: REUTERS / THOMAS PETER / REUTERS

„Es ist ein trauriger Tag. Ich habe Guido Westerwelle vor vielen Jahren kennengelernt, noch vor dem Jahr 2001, als ich Regierender Bürgermeister wurde. Wir – er als FDP-Politiker, ich als SPD-Politiker – waren politisch nicht in allen Belangen auf einer Linie. Guido Westerwelle hat sich stets für den Rechtsstaat, auch für die Gleichstellung eingesetzt. Auch für die Rechte von Homosexuellen. Ich habe mich ja im Jahr 2001 geoutet, also vor ihm. Ich glaube, es war dann leichter für ihn. Jeder muss da seinen Weg finden.

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Wir haben uns häufiger privat getroffen, zu viert, also mit Jörn und auch mit seinem Mann Michael Mronz, den ich schon länger kannte. Das waren immer sehr angenehme Gespräche. Manche sagen ja, wir seien uns ähnlich gewesen – im Umgang mit der Öffentlichkeit, mit den Medien. Als Politiker mussten wir ja in die Öffentlichkeit – aber ich glaube, auch Guido Westerwelle hat so seine Erfahrungen gemacht. Mit dem Guidomobil oder seinem 18-Prozent-Schuh. Ich glaube, er hätte manches im Rückblick nicht mehr gemacht. Und natürlich: Guido Westerwelle hat seine Partei sehr erfolgreich geführt. Umso tragischer war es, wie er dann zur Seite gestellt wurde. Als Außenpolitiker hat er Impulse in einer schwierigen Zeit gesetzt, aber es war schon eine schwierige Position für ihn als Außenminister und gleichzeitig als Parteivorsitzender. Das war sicherlich eine Zerreißprobe für ihn.

Es ist wirklich tragisch, dass Guido Westerwelle nach seinem Ausscheiden aus der Politik dann an Leukämie erkrankt ist. So ein Schicksalsschlag. Dieser Spagat zwischen Verzweiflung und Hoffnung, ihn hat er ja auch in seinen Interviews in den letzten Jahren und in seinem Buch sehr anschaulich beschrieben. Wir haben uns in den letzten zwei Jahren gesehen, aber nicht mehr so intensiv, denn er war ja viel in Köln und auf Mallorca. Guido Westerwelle war eine Persönlichkeit der deutschen Politik. Er hat viele Jahre die Politik der Bundesrepublik geprägt, viel für Deutschland und natürlich für seine Partei getan. Ich bin dankbar, Guido Westerwelle persönlich kennengelernt zu haben – und es war eine große Vertrautheit zwischen uns, auch zwischen uns vieren, also auch zwischen Jörn und Michael Mronz. Es ist ein trauriger Tag.“

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