Berlin/Hamburg –

Innenminister verbietet „Weiße Wölfe“

Polizisten finden Waffen bei Razzia gegen Neonazi-Gruppe

Berlin/Hamburg. Die selbst ernannte Terrorcrew posiert zum Gruppenfoto. Lieber mit dem Rücken zur Kamera, damit ihre Gesichter unerkannt bleiben. Die Köpfe der Männer sind kahlrasiert, auf ihren uniformen T-Shirts stehen Namen: Ricky. Anna. Denny. Tonja. Dazu der Schriftzug: „Unbelehrbar“ – und die Kombination „C 18“. C steht für „Combat“, Kampf. Die Zahlen 1 und 8 stehen für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet. A und H. Adolf Hitler.

Es ist Sommer 2008, der Anfang der rechtsextremen Kameradschaft „Weiße Wölfe Terrorcrew“ (WWT). Acht Jahre später lässt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die „Terrorcrew“ verbieten. Bei Durchsuchungen in zehn Bundesländern fanden Beamte gestern neben Datenträgern, Bekleidung und Propagandamaterial auch Waffen wie Wurfsterne, eine Armbrust und Kleinkaliberwaffen. In Berlin wurden zwei Privatadressen von Mitgliedern des WWT durchsucht.

De Maizière erklärte, es handele sich um eine Vereinigung, die offen und aggressiv gegen den Staat, politisch Andersdenkende, Migranten und Polizisten hetze. Sie trage Gewalt auf die Straße. Von Hamburg aus breitete sich die Gruppe über die Jahre in Deutschland aus – mit „Sektionen“ in zehn Bundesländern, jeweils geleitet von „Statthaltern“. Der Hamburger Sebastian R. gilt als führender Kopf der Truppe. 2010 musste er wegen Widerstandes gegen Polizisten und Körperverletzung eine 14-monatige Haftstrafe antreten.

Zuletzt gehörten noch 25 Mitglieder zum „harten Kern“ der WWT. Den Sicherheitsbehörden lagen nach Morgenpost-Informationen keine Hinweise auf einen Anschlag bevor. Dennoch war den Ermittlern klar: Geflüchtete sind Zielscheibe dieser Gruppe. 2015 hatten sich die Straftaten gegen Asylunterkünfte verfünffacht. 76 Mal wurde sogar Feuer gelegt. Auch nach dem Verbot der „Terrorcrew“ sprach de Maizière von einem „großen Anlass zur Sorge“.