Mainz –

Karriereplan A2

Julia Klöckners Image als Hoffnungsträgerin der CDU ist angekratzt

Mainz.  Wie wichtig Julia Klöckner für die CDU in Rheinland-Pfalz ist, war an ihrem Empfang auf der Wahlparty zu erkennen: Der Beifall war so groß, als habe Klöckner gewonnen. Dabei hat sie das schlechteste Wahlergebnis der rheinland-pfälzischen CDU erzielt. Ein Grund dafür war ihr umstrittener Flüchtlingsplan A2. Dennoch: Klöckner formierte die Landes-CDU zu einer schlagkräftigen Opposition und trieb die Landesregierung vor sich her. Ohne Klöckner hätte die Mainzer CDU ein echtes Personalproblem.

Wird Klöckner also in Mainz bleiben? Kurzfristig auf jeden Fall, denn in der Bundespolitik ist kein Amt in der ersten Reihe frei, und stellvertretende CDU-Vorsitzende ist Klöckner bereits. Ein Bundestagsmandat hat sie nicht, das hatte sie 2011 zusammen mit dem Posten als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium aufgegeben. Klöckner könnte nächstes Jahr wieder für den Bundestag kandidieren und auf ein Ministeramt hoffen. Wenn das nicht klappt, wäre sie aber die Wahlverliererin aus Mainz. Ins CDU-Reserveteam für die Zeit nach Merkel kommt man so nicht.

Auch die Karriereoptionen in Mainz liegen nicht allein in Klöckners Hand. Wenn es der SPD gelingt, eine Ampel-Koalition zu bilden, müsste Klöckner Fraktionsvorsitzende bleiben. Sie könnte in fünf Jahren ein drittes Mal Spitzenkandidatin werden, dann wäre sie erst 48 Jahre alt. Käme es doch zu einer großen Koalition, könnte Klöckner Ministerin werden. Aber ob das gut ginge? Klöckner müsste sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer unterordnen. Die beiden haben einen fairen Wahlkampf hingelegt, aber sympathisch sind sie sich nicht. Es könnte ordentlich krachen in einer solchen großen Koalition.