BerliN –

Die Liberalen sind plötzlich wieder Königsmacher

BerliN. Christian Lindner steht unter Spannung. Man sieht es an seinen Händen. Erst verschränkt er sie, dann steckt er sie in die Hosentaschen, dann wandern sie hinter seinen Rücken, dann verschränkt er sie wieder vorne. Die FDP ist seit ihrem guten Abschneiden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Joker in den Koalitionsverhandlungen, der Königsmacher: Es ist ein Triumph für Parteichef Lindner – aber keine bequeme Lage.

Am Tag nach der Wahl sind die Spitzenkandidaten aus den Ländern nach Berlin gekommen, um mit der Parteispitze den Kurs festzulegen. Es sind am Ende zwei Kurse – einer für Mainz, einer für Stuttgart. „Wir haben eine unterschiedliche Situation in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz“, sagt Volker Wissing, der die Liberalen nach fünf Jahren wieder in den Mainzer Landtag gebracht hat. In Rheinland-Pfalz ist die FDP offen für eine Koalition mit SPD und Grünen. SPD-Wahlsiegerin Malu Dreyer hat die Hand bereits ausgestreckt für ein Ampel-Bündnis mit FDP und Grünen. Auch die meisten FDP-Wähler sähen die Liberalen in Rheinland-Pfalz lieber in einer Ampel-Regierung als in der Opposition.

In Baden-Württemberg dagegen ist der Graben tief zwischen den Liberalen und dem grünen Regierungschef Winfried Kretschmann. Ob er unüberwindbar ist, werden die nächsten Wochen zeigen. FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke hat sich festgelegt: „Eine grün geführte Ampel wird es in Baden-Württemberg nicht geben“, bekräftigte er am Montag in Berlin. FDP-Landesparteichef Michael Theurer ist da deutlich vorsichtiger: Er wolle sich Gesprächen mit den Grünen über eine Regierungsbildung nicht verweigern.

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