US-Wahl

Mexikos Präsident vergleicht Trump mit Hitler und Mussolini

Mexikos Staatschef Peña Nieto wirft Trump vor, die Beziehungen Mexikos mit den USA zu zerstören – und provoziert mit einem Vergleich.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump greift mit Leidenschaft das südliche Nachbarland Mexiko an.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump greift mit Leidenschaft das südliche Nachbarland Mexiko an.

Foto: Tannen Maury / dpa

Mexiko-Stadt.  Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto hat US-Milliardär Donald Trump in seinen Methoden und seinem Diskurs mit den Diktatoren Hitler und Mussolini verglichen. „Es hat in der Geschichte der Menschheit schon bedauerliche Episoden gegeben, die viel Unheil brachten“, sagte der mexikanische Präsident am Montag der Tageszeitung „Excelsior“. Sowohl Hitler als auch Mussolini hätten die damalige Wirtschaftskrise für ihren Aufstieg genutzt. Es war das erste Mal seit den massiven Beleidigungen Mexikos und der Mexikaner durch Trump, dass sich Peña Nieto direkt zu dem Thema äußert.

Trump, der sich um die Kandidatur der Republikaner für die US-Präsidentenwahlen im November bewirbt, keilt mit großer Hingabe gegen das südliche Nachbarland und seine Menschen aus, die er als Vergewaltiger, Verbrecher und Drogenschmuggler verunglimpft. Sollte er US-Präsident werden, will Trump die ohnehin schon hermetisch gesicherte 3200 Kilometer lange US-mexikanische Grenze mit einer Mauer verstärken. Dafür zahlen soll natürlich Mexiko. Und die elf Millionen Mexikaner ohne Papiere will er alle aus den USA abschieben.

„Ich bedauere diese Art von Ausdrücken, die ein Verkennen Mexikos und der Leistung seiner Menschen belegen“, sagte Peña Nieto der Zeitung „El Universal“. Die Meinungen Trumps „beleidigen die Beziehung, die Mexiko aus Brücken, Dialog und Annäherung zu den USA aufgebaut hat, um die gemeinsamen Probleme in den Griff zu bekommen“.

Mexiko würde Bau einer Grenzmauer nicht mitfinanzieren

Bereits vor einigen Tagen hatte Finanzminister Luis Videgaray versichert, Mexiko werde unter keinen Umständen öffentliche Gelder für die Mauer einsetzen, die Trump bauen wolle. „Eine Mauer zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten zu bauen, ist eine äußerst schlechte und absurde Idee und fußt auf einer Ignoranz, die nichts mit der Wirklichkeit und dem Zusammenwachsen Nordamerikas zu tun hat”, fügte Videgaray hinzu. Im Übrigen sei die Migration zwischen Mexiko und den USA seit mehr als fünf Jahren rückläufig. Tatsächlich belegen Untersuchungen des „Pew Research Center“ in Washington, dass zwischen 2009 und 2014 rund 870.000 Mexikaner versuchten, in die USA zu gelangen. Im gleichen Zeitraum kehrten aber rund eine Million Mexikaner aus den USA in ihre Heimat zurück.

Der Wahlerfolg des Immobilientycoons bei den Vorwahlen des sogenannten „Super Dienstag“ hat vielen Mexikanern schlagartig klar gemacht, dass ein Sieg Trumps bei der US-Präsidentenwahl kein schlechter Scherz mehr ist, sondern Realität werden kann. Und Intellektuelle wie der Hochschullehrer und Ex-Außenminister Jorge Castañeda fordern darauf eine gemeinsame Reaktion Mexikos gegen den rumpelnden Milliardär: „Schweigen und Passivität sind die falschen Rezepte“, mahnt Castañeda.

Internetseite porträtiert beruflich erfolgreiche Mexikaner

„Trump ist kein Ignorant, Trump ist ein Schuft“, sagt Castañeda in einem Video. Es ist auch auf der Website „Proud to be Mexican“ (Stolz, ein Mexikaner zu sein) verlinkt. Dort werden Geschichten von Mexikanern erzählt, die es in den USA zu großem beruflichen Erfolg gebracht haben. So liest man von Migranten ohne Papiere, die zu Neurochirurgen aufstiegen, erfolgreichen Jockeys, Investmentbankern oder auch Politikern mexikanischer Herkunft. Das alles passt tatsächlich nicht in das Weltbild von Trump. „Auf seine Ausfälle brauchen wir eine ambitionierte und raffinierte Antwort“, betont Castañeda.

Denn die Beleidigungen von Trump würden die Mexikaner diesseits und jenseits der Grenze in Mitleidenschaft ziehen. „Vor allem die Landsleute, die in den USA leben, ohne US-Bürger zu sein, könnten Opfer von Attacken und Angriffen werden“, fürchtet Castañeda. Zum anderen gefährdeten Trumps Worte die eigentlich gute Beziehung zwischen den USA und Mexiko. Beide Staaten sind über die Nordamerikanische Freihandelszone NAFTA eng verbunden und die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Handelspartner Mexikos. Und letztlich schadeten die Äußerungen des Präsidentschaftsbewerbers auch dem Bild von Mexiko in der ganzen Welt, vermutet der Intellektuelle: „Investitionen und Tourismus leiden, wenn jemand wie Trump ein Land so verunglimpft.“