Politik

Die Zukunft der Charité

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Joachim Fahrun

Patienten, Pflegekräfte und Ärzte an der Charité wissen es am besten: Die Sparpotenziale an Berlins Universitätsklinik sind nach Jahren der Effizienzsteigerungsprogramme weitgehend aufgebraucht. Auch Charité-Chef Karl Max Einhäupl lässt keine Gelegenheit aus, die strukturell nicht ausreichende Finanzierung der Spitzenmedizin und der Forschung in seinem Haus zu beklagen.

In diesem Jahr kommt die Charité noch einmal davon. Der Sturz in die roten Zahlen konnte verhindert werden. Noch gibt es Rücklagen, die die Lücken stopfen können. Und der schöne Einmaleffekt einer üppigen Rückzahlung aus der Versorgungskasse lässt den Plan für 2016 sogar besonders hell strahlen.

All das kann die mittelfristigen Probleme der Charité aber nicht übertünchen. Im nächsten Landeshaushalt ab 2018 wird der Senat nicht umhinkommen, diesem Aushängeschild der Stadt zusätzliche Millionen zu geben. Während viele Bereiche schon mit dem aktuellen Doppelhaushalt einen üppigen Schluck aus der Pulle bekommen, stagnieren die Mittel für die Universitätsklinik auf dem Niveau des Status quo ante.

Ein Problem sind auch die Personalkosten, die weiter steigen. Denn die gesuchten Pflegekräfte haben es ebenso wie Ärzte geschafft, deutliche Lohnsteigerungen durchzusetzen. Dieser Trend dürfte weitergehen. Qualifizierte Krankenschwestern und -pfleger sind rar, so dass es nur den Marktgesetzen folgt, wenn sie auch immer besser bezahlt werden. Und angesichts der Lage auf vielen Stationen ist auch offenkundig, dass Personalabbau kein Mittel mehr sein kann, um Kosten einzusparen.

Um die Position und die Qualität der Charité langfristig zu sichern oder sogar zu stärken, muss Berlin weitere Sanierungen der maroden Gebäude bezahlen. Die Fakultät benötigt mehr Geld. Und die Krankenhausfinanzierung in Deutschland generell muss endlich die Spitzenleistungen der Universitätsmedizin angemessen berücksichtigen, damit die Charité nicht gezwungen ist, ihr Geld mit routinemäßigen Blinddarm-OPs zu verdienen. Um diese Weichen zu stellen, hat die Politik noch ein paar Monate Zeit. Aber sie wird nicht darum herumkommen, wenn ein Leuchtturm wie die Charité weiter strahlen soll.

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