Ermittlungen

Feuer in Bautzen: Polizei geht von Brandstiftung aus

Ein künftiges Flüchtlingsheim in Bautzen stand in Flammen – und Schaulustige freuten sich. Die Polizei fand Hinweise auf Brandstiftung.

„Unverhohlene Freude“ sollen Schaulustige im sächsischen Bautzen gezeigt haben, als in der Nacht zu Sonntag eine künftige Flüchtlingsunterkunft in Flammen stand.

„Unverhohlene Freude“ sollen Schaulustige im sächsischen Bautzen gezeigt haben, als in der Nacht zu Sonntag eine künftige Flüchtlingsunterkunft in Flammen stand.

Foto: Rico Loeb / dpa

Bautzen.  Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen haben die Ermittler Spuren einer brennbaren Flüssigkeit in dem Gebäude entdeckt. Das teilte die Görlitzer Polizei am Sonntagnachmittag mit. Die Ermittler gehen demnach von Brandstiftung aus. Das sagte der Leiter des für Extremismus zuständigen Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei und Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die Untersuchungen liefen aber noch. Einen Tatverdacht gebe es bisher nicht. Es werde in „jede Richtung“ ermittelt, betonte Merbitz, der vor Ort in Bautzen war.

Zum Teil jubelnd hatten Schaulustige den Brand beobachtet. Einige behinderten sogar die Löscharbeiten. Während des Brandes mitten in einem Wohngebiet versammelten sich in der Nacht zu Sonntag nach Polizeiangaben schätzungsweise 20 bis 30 Menschen.

Teilweise seien die Gaffer angetrunken gewesen und hätten „abfällige Bemerkungen“ gemacht oder „unverhohlene Freude“ gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher. Verletzt wurde bei dem Brand nach erstem Erkenntnisstand niemand. Das Gebäude war zuletzt als Hotel genutzt worden und befand sich im Umbau. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) verurteilten das Verhalten der Schaulustigen scharf.

Sachsens Ministerpräsident Tillich: „Das sind Verbrecher“

Tillich betonte auch mit Blick auf die fremdenfeindlichen Ereignisse am Donnerstagabend in Clausnitz, wo ein aufgebrachter Mob längere Zeit einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockierte, die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich. „Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher“, sagte er am Sonntag unserer Redaktion. Solche Taten besudelten „das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens“.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte am Sonntag, in Deutschland dürfe jeder seine Ängste und Sorgen äußern. „Aber es gibt eine Schwelle des Anstands und des Rechts, die nicht überschritten werden darf – und bei den Geschehnissen in Sachsen wurden diese Schwellen deutlich überschritten“, ergänzte er. Sein Kabinettskollege Heiko Maas (SPD) äußerte sich bei Twitter.

Bautzens Oberbürgermeister zeigte sich entsetzt

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte: „Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten.“ Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, fügte er hinzu.

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) hat sich am Sonntag entsetzt geäußert. „Was hier und heute geschehen ist, macht mich sehr wütend“, erklärte er am Sonntag in Bautzen. Dass Feuerwehrleute verbal attackiert und teilweise an ihrer Arbeit gehindert worden seien, bezeichnete er als „widerlich“.

Auch die Band Silbermond, die aus Bautzen kommt, äußerte sich auf ihrer Facebook-Seite erschüttert. Die Musiker um Sängerin Stefanie Kloß („Das Beste“, „Leichtes Gepäck“) spielen am Mittwoch und Donnerstag Konzerte in ihrer Heimatstadt.

Zwei Männer in Gewahrsam genommen

Die Polizei erteilte am Sonntag Platzverweise gegen drei Bautzener im Alter von 19 und 20 Jahren, die die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert hätten. Da die beiden alkoholisierten 20-Jährigen laut Polizei Widerstand leisteten, wurden sie in Gewahrsam genommen. (dpa)


Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen