1. Weltkrieg

100 Jahre Verdun – Die Horror-Schlacht in Zahlen und Fakten

Es war die längste Schlacht des 1. Weltkriegs – und eine der blutigsten. Verdun steht bis heute als Synonym für das Grauen des Krieges.

Die Darstellung eines sterbenden Boten in der Gedenkstätte von Verdun in Frankreich. Hunderttausende ließen in der Schlacht ihr Leben.

Die Darstellung eines sterbenden Boten in der Gedenkstätte von Verdun in Frankreich. Hunderttausende ließen in der Schlacht ihr Leben.

Foto: Sebastian Kunigkeit / dpa

Berlin.  Am 21. Februar 1916, an diesem Sonntag von einhundert Jahren, begann bei Verdun im Nordosten Frankreichs die längste Schlacht des 1. Weltkriegs. Sie dauerte bis zum 19. Dezember 1916. Die 300 Tage und 300 Nächte kosteten mehr als 300.000 französische und deutsche Soldaten das Leben. Rund 400.000 wurden verletzt. 80.000 Tote sind bis heute nicht identifiziert. Hier die wichtigsten Daten und Fakten zur „Schlacht von Verdun“.

• Warum gerade Verdun?

Der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn will mit einem Großangriff auf die Franzosen einer geplanten gemeinsamen Offensive französischer und britischer Truppen zuvorkommen. Er geht zu diesem Zeitpunkt wohl davon aus, dass Frankreich im Falle einer großen Niederlage erschöpft aufgeben und einen Separatfrieden mit Deutschland eingehen würde.

Die Stadt Verdun liegt in einem Frontbogen, auf französischer Seite waren die Eisenbahnlinien von Westen und Süden unterbrochen. Die Franzosen können Verstärkung daher nur über eine Straße und eine kleine Bahnlinie mit einem Meter Spurweite heranbringen. Zudem hat das Oberkommando im August 1915 die schwere Artillerie abgezogen und an andere Frontabschnitte geschickt. Verdun scheint den Deutschen geeignet für einen schnellen Sieg – ein kapitaler Trugschluss.

• Der erste tödliche Granatenhagel

Am Morgen des 21. Februar 1916 klart das Wetter auf – das „Unternehmen Gericht“ beginnt. Die Deutschen feuern unzählige Granaten auf die Schützengräben der französischen Soldaten um Verdun ab. Es ist ein Bombardement aus mehr als 1200 Geschützen, wie es die Welt bis dahin nicht erlebt hat. Auf deutscher Seite notiert der Maler und Soldat Franz Marc am 27. Februar: „Die französischen Linien sind durchbrochen. Von der wahnsinnigen Wut und Gewalt des deutschen Vorsturms kann sich kein Mensch einen Begriff machen, der das nicht miterlebt hat.“ Wenige Tage später ist Marc tot.

• Der erbarmungslose Stellungskrieg

Nach schnellen, aber geringen Geländegewinnen der Wehrmacht ist die „Wut und Gewalt des deutschen Vorsturms“ vorbei. Die Front bewegt sich kaum mehr, in den Schützengräben ist der Tod allgegenwärtig. Hunger, Durst, Kälte, Ungeziefer und katastrophale hygienische Verhältnisse quälen die Soldaten. Verwundete können nur schwer versorgt werden.

Im Juli 1916 muss Generalstabschef Falkenhayn das „Unternehmen Gericht“ schließlich abbrechen. Anfang Juni hat die eine russische Offensive in Galizien die Ostfront in arge Not gebracht, drei Wochen später griffen die Westalliierten an der Somme an. Falkenhayn muss von Verdun viele Soldaten an diese beiden Frontabschnitte abziehen, außerdem hat die deutsche Rüstungsindustrie Schwierigkeiten, genug Munition herzustellen.

• Das Sterben geht weiter

Das Sterben um Verdun geht trotz des Teilabzugs der deutschen Armee weiter – denn nun wird Frankreich offensiv. Die Natur verstärkt die Leiden der Soldaten noch: Im September setzt strömender Regen in der Region ein. Die zahllosen Granattrichter laufen mit Wasser voll, in dem viele Soldaten ertrinken, wenn sie mit ihrer schweren Ausrüstung hineinfallen.

• Das Ende – aber wer hat gesiegt?

Am 19. Dezember 1916 endet die Schlacht um Verdun. Geschätzt 50 Millionen Bomben und Granaten sind auf die etwa 20 Quadratkilometer um Verdun niedergegangen. Es beginnt der Kampf um die Deutungshoheit.

Aber gerade die Frage, wer gewonnen in Verdun habe, bleibt lange umstritten. Das liegt daran, dass die Geschichtsforschung zunächst davon ausging, das Ziel des deutschen Oberbefehlshabers Erich von Falkenhayn sei gar nicht die Eroberung Verduns gewesen – sondern vielmehr eine Abnutzungsschlacht, in der die Franzosen hohe Verluste erleiden sollten – was ja auch eintrat. Aufgrund neuer Forschungen gehen jedoch heute die meisten Historiker davon aus, dass die „Ausblutungsstrategie“ eine Ausrede der Deutschen war, nachdem ihr Angriff sich festgelaufen hatte.

Die Franzosen machen Verdun dagegen nach Kriegsende zum Symbol für den entschlossenen Widerstands des Landes gegen den Erzfeind Deutschland. Kriegsentscheidend war die Schlacht auf keinen Fall. Der Historiker Herfried Münkler urteilt über die militärische Bedeutung: „Es hat sich eigentlich mit Verdun gar nichts geändert.“

• Was bleibt von Verdun?

Der Name Verdun steht für die Unmenschlichkeit und das unermessliche Leid des Kriegs. „Im Gedächtnis der Deutschen ist die Schlacht zum Inbegriff der Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Ersten Weltkriegs geworden“, schreibt Deutschlands Botschafter in Paris, Nikolaus Meyer-Landrut. In Frankreich wurde Verdun zu einem allgemeinen nationalen Bezugspunkt – auch weil ein großer Teil der Armee irgendwann einmal dort kämpfte. Der französische General Philippe Pétain ließ die Truppen regelmäßig austauschen, um Erschöpfung zu verhindern. Nahezu jeder französische Soldat, der im Ersten Weltkrieg kämpfte, wurde mindestens einmal bei Verdun eingesetzt. (mit dpa)