Solidarnosc-Führer

Polen: Lech Walesa soll für Geheimdienst gearbeitet haben

Polens ehemaliger Präsident, Lech Walesa, soll für den Geheimdienst gearbeitet haben. Walesa wehrt sich seit Jahren gegen den Vorwurf.

Lech Walesa, ehemaliger polnischer Präsident bei einer Preisverleihung 2002. Walesa war im Jahr 2000 von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Lech Walesa, ehemaliger polnischer Präsident bei einer Preisverleihung 2002. Walesa war im Jahr 2000 von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Warschau.  Der polnische Ex-Präsident Lech Walesa hat nach Angaben des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) in Warschau für den Geheimdienst gearbeitet. Im Haus des im November verstorbenen Ex-Generals Czeslaw Jan Kiszczak seien Walesas Personalakte und seine Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst gefunden worden, sagte der IPN-Direktor Lukasz Kaminski der Agentur PAP zufolge am Donnerstag. Die Unterschrift Walesas sei demnach authentisch.

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass mehrere bisher unbekannte Dokumente sichergestellt wurden. Die Dokumente hatten sich im Besitz des vor wenigen Monaten gestorbenen ehemaligen Innenministers und Generals Kiszczak befunden. Seine Witwe hatte die Dokumente dem Institut für Nationales Gedenken (IPN) zum Kauf angeboten.

Von den Dokumenten erhoffen sich nationalkonservative Politiker Enthüllungen über einstige Spitzel und Agenten. Im Mittelpunkt der Spekulationen steht einmal mehr Walesa, der in der Vergangenheit wiederholt Anschuldigungen ausgesetzt war, unter dem Decknamen „Bolek“ mit den Sicherheitsbehörden zusammen gearbeitet zu haben.

2000 war Walesa von Spitzeltätigkeit freigesprochen wurden

Walesa war in kommunistischer Zeit Anführer der Gewerkschaft Solidarnosc und war von 1990 bis 1995 erster demokratisch gewählter Präsident Polens. Er bestritt in einer ersten Reaktion die Existenz der Staatssicherheits-Unterlagen. „Es kann keine derartigen Materialien von mir geben. Wenn es sie gäbe, wäre es nicht nötig, sie zu fälschen“, betonte der Friedensnobelpreisträger von 1983, der sich gerade in Caracas aufhält, in seinem Mikroblog. Im Jahr 2000 von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Einstige Weggefährten verteidigten ihn am Mittwochabend gegen die Spekulationen. „Ich glaube nicht an eine Zusammenarbeit oder Spitzelei Walesas. Ich bin überzeugt, es kam zu Kontakten mit dem Sicherheitsdienst und dass Walesa so seine Gesundheit, sein Leben und seine Familie schützte“, sagte der frühere Solidarnosc-Gewerkschafter Wladyslaw Frasyniuk im Fernsehsender TVN 24 zu Berichten, in sichergestellten Materialien sei auch von „Bolek“ die Rede.

Walesa gilt als scharfer Kritiker der neuen Regierung

Das Institut für Nationales Gedenken ist das polnische Pendant der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde. Walesa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Im Dezember warnte der Freiheitsheld angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem „Bürgerkrieg“ in Polen. (dpa)