Proteste

Pegida-Frontfrau will auf Flüchtlinge schießen lassen

Tatjana Festerling hetzt in einem Interview gegen Willkommenskultur und Flüchtlinge. Die Pegida-Aktivistin fordert: „Erschießt sie“.

Tatjana Festerling bei einer Pegida-Kundgebung in Dresden. Sie gab der „Daily Mail“ nun ein schockierendes Interview.

Tatjana Festerling bei einer Pegida-Kundgebung in Dresden. Sie gab der „Daily Mail“ nun ein schockierendes Interview.

Foto: Arno Burgi / dpa

Dresden.  Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling schockt mit einem Interview: Im Gespräch mit dem britischen Portal „Daily Mail Online“ forderte sie den Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge. So zitiert „Daily Mail“ Festerling mit folgenden Worten: „If they keep crossing the border and you can’t arrest them, shoot them.“ („Wenn sie weiter über die Grenze kommen und man sie nicht festnehmen kann, schießt auf sie.“)

Festerling sprach mit einem Reporter der „Daily Mail“ in der Altstadt Dresdens. Sie betonte, dass Pegida weder Angst noch Skrupel kenne. In Zeiten wie diesen müsse man Anstand vergessen: „Fuck decency!“ („Scheiß auf Anstand“). Die 51-Jährige unterstrich ihre Sympathie mit Hooligans, die Pegida von Anfang an vor „radikalen Linken“ beschützt hätten. „Hooligans, die ich kenne, sind Mütter und Väter, Arbeiter und Zahnärzte, Steuerzahler.“ Ihr Hobby sei nur eine Art Sport.

Festerling, die bei den selbst ernannten „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) eine Schlüsselrolle innehat, äußerte sich auf ihrer Internetseite ausführlich zu dem Interview und fühlte sich „stark verdichtet“ wiedergegeben. Sie schreibt, sie habe den Gebrauch der Schusswaffe als „ultima ratio“ gefordert und folgendes gesagt: „Unsere Grenzen sollten geschlossen werden, Eindringlinge sollten festgenommen werden, oder – als letzte Möglichkeit muss geschossen werden.“

Bereits drei Anzeigen gegen Festerling eingereicht

Unklar blieb zunächst, ob die Aussagen Ermittlungen nach sich ziehen. Die Staatsanwaltschaft Dresden kündigte einen Prüfvorgang an. Bei ihr wurden in diesem Jahr in anderen Fällen bereits drei Anzeigen gegen Festerling eingereicht – wegen Volksverhetzung, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten und übler Nachrede.

In der Politik stießen die jüngsten Aussagen Festerlings auf Protest. „Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungstätigkeit zu ihr und anderen Pegida-Hetzern intensiviert und es zügig zu Anklagen kommt“, erklärte Linke-Parteichef Rico Gebhardt. Der Grünen-Abgeordnete Valentin Lippmann kritisierte „die menschenverachtende Haltung Festerlings“. SPD-Generalsekretärin Daniela Kolbe forderte den Sächsischen Verfassungsschutz auf, Pegida endlich zu beobachten.

Kürzlich hatte auch die Vorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, einen Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge bei einem illegalen Grenzübertritt als Möglichkeit bezeichnet. Die Vizechefin Beatrix von Storch hatte sich auf Facebook ähnlich geäußert. Auf die Frage eines Users, ob sie Frauen mit Kindern mit Waffengewalt vom Grenzübertritt abhalten wolle, hatte sie mit „Ja“ geantwortet. Später hatte die Politikerin noch eine abstruse Erklärung für ihre Aussage gefunden: Das sei ein „technischer Fehler“ gewesen, sie sei auf ihrer Computermaus „abgerutscht“. (jha/dpa)