Syrienkrieg

Raketen auf Kliniken und Schulen – Fast 50 Tote in Syrien

Die Hoffnung auf eine Waffenruhe in Syrien sinkt. Es gab viele Tote bei Angriffen auf Kliniken und Schulen. Nun drohen neue Kämpfe.

Von dem Krankenhaus in der syrischen Provinz Idlib blieben nach den Angriffen nur noch eine Ruine übrig.

Von dem Krankenhaus in der syrischen Provinz Idlib blieben nach den Angriffen nur noch eine Ruine übrig.

Foto: Msf / Handout / dpa

New York/Damaskus.  Der Syrien-Konflikt spitzt sich trotz internationaler Absprachen für einen Waffenstillstand zu. Bei Raketenangriffen auf mindestens fünf Krankenhäuser und zwei Schulen in Syrien kamen am Montag fast 50 Menschen ums Leben, darunter auch Kinder. Viele weitere Menschen seien bei den Attacken in den Provinzen Aleppo und Idlib verletzt worden, sagte UN-Sprecher Farhan Haq am Montag in New York.

Dabei kamen nach Medienberichten allein in der Stadt Azaz bei Luftangriffen auf eine Klinik mindestens 14 Menschen ums Leben, etwa 30 weitere wurden verletzt. Zuvor war ein von der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ finanziertes Krankenhaus in der Provinz Idlib bei einem Raketenangriff zerstört worden. Dabei wurden mindestens sieben Menschen getötet, darunter ein Pfleger und ein Wächter, wie die Organisation mitteilte. Acht weitere Mitarbeiter seien vermutlich ebenfalls tot.

40.000 Menschen jetzt ohne medizinische Versorgung

„Dies scheint ein gezielter Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung gewesen zu sein, und wir verurteilen dies auf das Schärfste“, sagte der Syrien-Landeskoordinator der Organisation, Massimiliano Rebaudengo. Unklar blieb bisher, welche der Kriegsparteien die Angriffe gestartet hatte. Ein türkischer Sicherheitsbeamter sagte, russische Jets hätten den Luftangriff in Azaz geflogen.

Die Klinik in Maarat al-Numan wurde nach Angaben von Beschäftigten bei zwei Angriffen innerhalb weniger Minuten viermal getroffen. In dem Konfliktgebiet in der Region Idlib blieben nun etwa 40.00 Menschen ohne medizinische Versorgung, betonte Rebaudengo.

Die vor wenigen Tagen in München vereinbarte Waffenruhe wird damit unwahrscheinlicher – zumal auch von anderer Seite scharfe Töne kommen. Die Türkei drohte am Montag mit „schärfsten Reaktionen“, sollten kurdische Milizen ihren Vormarsch fortsetzen. Russland kündigte seinerseits an, die Luftangriffe auch nach einer Einigung auf einen Waffenstillstand fortzusetzen.

Spannungen zwischen Russland und Türkei

Zwischen beiden Staaten wuchsen die Spannungen: Während Russland der Türkei vorwarf, das Einsickern von Dschihadisten nach Syrien zuzulassen, gab die Regierung in Ankara der russischen Armee die Schuld für einen Raketenangriff, bei dem mindestens 14 Zivilsten ums Leben kamen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief beide Staaten zur militärischen Zurückhaltung auf. Er pochte auf die vereinbarte Feuerpause, die spätestens am kommenden Wochenende in Kraft treten soll.

Zurzeit versuchen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit Hilfe der russischen Luftwaffe, die Metropole Aleppo in Nordsyrien einzunehmen. Sie gehen vor allem gegen Rebellen vor, die von westlichen Staaten unterstützt werden. Durch die Kämpfe sind Kurdenmilizen erhebliche Gebietsgewinne gelungen. Dies hat wiederum die Türkei auf den Plan gerufen, die ein Erstarken kurdischer Gruppen fürchtet.

Erbitterte Kämpfe um die Stadt Azaz

Ein Teil der Kämpfe konzentriert sich auf die Stadt Azaz. Dort halten sich Zehntausende Flüchtlinge auf. Regierungsfeindliche Kurdenmilizen und Assad-Truppen versuchen, die Stadt von Rebellen zu erobern. Azaz ist die letzte Stadt vor der türkischen Grenze, die noch von Rebellen kontrolliert wird.

Sein Land werde nicht zulassen, dass Asas in die Hände der kurdischen YPG-Miliz falle, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Die Türkei werde zudem den Militärflugplatz Menagh unbenutzbar machen, sollte sich die YPG nicht zurückziehen. Am Wochenende hatte die türkische Armee Stellungen der YPG beschossen und damit nach eigenen Angaben die Einnahme von Asas verhindert. Empört reagierte die Türkei auf Mahnungen der USA, sich auf den gemeinsamen Kampf mit der YPG gegen die Extremistenmiliz IS zu besinnen. Man sei schockiert darüber, mit der YPG in einen Topf geworfen zu werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Russland warf indes der Türkei vor, Dschihadisten und Söldner nach Syrien zu lassen. Ein Mitarbeiter des Außenministeriums kündigte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax zudem an, die Luftangriffe auch nach einer Einigung auf einen Waffenstillstand fortzusetzen. (rtr/epd)