Politik

Wenn Arbeit krank macht

Die Zahlen sind alarmierend. Jeder dritte Beamte in Berlin scheidet krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Dienst aus. Nirgendwo sonst ist die Zahl so hoch, im Vergleich zu anderen Stadtstaaten wie Hamburg oder Bremen sind es mindestens doppelt so viele. Die ohnehin angespannte – mancherorts katastrophale – Situation im öffentlichen Dienst wird dadurch verschärft. Durchschnittlich sechs Wochen ist jeder Beamte pro Jahr krankgeschrieben, viele melden sich dauerhaft dienstunfähig und werden vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Diese Lage hat kein Verantwortlicher bislang ernsthaft zur Kenntnis genommen. Alle Versuche, durch ein verbessertes Gesundheitsmanagement die Fehlzeiten zu senken, verliefen weitgehend halbherzig ergebnislos. Und auch der aktuelle für das Personal verantwortliche Innensenator Frank Henkel (CDU) weiß nicht so recht mit diesen Zahlen umzugehen. Wenn er jetzt ankündigt, bestrebt zu sein, mehr darauf zu achten, für die Langzeitkranken nach einer anderen sinnvollen Tätigkeit zu suchen, statt sie in den Vorruhestand zu schicken, klingt das recht antriebslos.

In anderen Bundesländern ist ein entsprechendes Gesundheitsmanagement längst eingerichtet. Und es stellt sich die Frage, warum das in Berlin nicht längst auch der Fall ist. Ein Lehrer, der sich nach 25 Jahren nicht mehr in der Lage sieht, sich dem Lärm und dem Stress des Klassenraums auszusetzen, muss nicht in den Vorruhestand geschickt werden, bevor nicht nach einer angemessenen Tätigkeit in der Verwaltung gesucht wurde. Gleiches gilt für Polizeibeamte im Vollzug. Zumal der öffentliche Dienst nach mehreren Sparrunden unter Personalmangel leidet und in den kommenden Jahren ein Großteil der Beamten altersbedingt ausscheidet.

Der hohe Krankenstand Berlins Behörden zeigt aber auch: Die jahrelangen Personalkürzungen, begleitet von demotivierenden Schmähungen über die Arbeitsmoral im Öffentlichen Dienst, haben ihre Spuren hinterlassen. Es ist eine Binsenwahrheit, dass Menschen, die gerne zur Arbeit gehen, geschätzt und motiviert sind, seltener krank sind. Und ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, kostet nicht einmal Geld.