Politik

Kinder haben ihren Preis

| Lesedauer: 2 Minuten
Susanne Leinemann

BVG-Chefin Sigrid Nikutta erwartet ihr fünftes Kind. Glückwunsch! Eigentlich sind solche privaten Momente kaum für einen Kommentar geeignet, hätten wir nicht eine besondere Situation in Deutschland. Im Durchschnitt bekommt jede Frau bei uns nur 1,47 Kinder. Also ein Kind, höchstens zwei. Bei fünf Kindern denken wir am ehesten an die Trapp-Familie. Und zweitens hieß es lange, dass Frauen sich entscheiden müssen: entweder Kind oder Karriere.

Nun zeigt Sigrid Nikutta wieder einmal, dass es auch anders geht. Und es gibt weitere Beispiele. Marissa Mayer von Yahoo hat gerade Zwillinge zur Welt gebracht, einen Sohn hat sie schon. Von einer Mutterschaftsauszeit wollte Mayer nichts wissen, sie ist gleich wieder im Job eingestiegen. An schwangere Spitzenpolitikerinnen haben wir uns inzwischen auch gewöhnt: Manuela Schwesig, Andrea Nahles und Kristina Schröder. Weiterarbeiten scheint danach kein Problem – es gibt ja die ausgebaute Kinderbetreuung.

Also die Frage: Sind Kinder und Karriere inzwischen ganz normal?

Nein, es gibt auch eine konträre, sehr beängstigende Entwicklung: Firmen wie Facebook und Apple bezahlen ihren jungen weiblichen Führungskräften in den USA das Einfrieren ihrer Eizellen. Damit die weiblichen Angestellten in ihren jungen, angeblich so dynamischen Jahren ungestört voll arbeiten können. Unbelästigt von Kindergeschrei. Und erst später Mutter werden.

Allein diese verräterische Einfrier-Prämie von rund 16.000 Euro zeigt: Kinder zu bekommen ist weiterhin ein Karrierehindernis. Denn der Nachwuchs geht auf Kosten der Arbeitskraft. Kinder können eben nicht unendlich wegorganisiert werden in Kita und Hort. So toll Spielen mit anderen Kindern auch ist, irgendwann wollen die Kleinen einfach zu Hause bei den Eltern sein. Und die Wahrheit ist: bei Sigrid Nikutta hat der Ehemann bislang den Großteil der Kindererziehung übernommen. Einer zahlt halt immer den Preis.

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