Peking

Nordkorea schockiert die Welt

Das Regime in Pjöngjang startet eine Weltraumrakete. Die USA kündigen „ernsthafte Konsequenzen“ an.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un

Foto: Rodong Sinmun / dpa

Nur einen Monat nach seinem heftig kritisierten Atomtest hat Nordkorea erneut die internationale Gemeinschaft herausgefordert: Die Regierung von Machthaber Kim Jong-un hat eine Weltraumrakete gestartet. Am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr Ortszeit feuerte das nordkoreanische Militär von einer Rampe an der Westküste eine Langstreckenrakete ab. Das südkoreanische Verteidigungsministerium bestätigte wenige Minuten später den Abschuss des Flugkörpers.

Die internationale Gemeinschaft vermutet, dass Nordkorea mit dem Abschuss einer Langstreckenrakete testet, wie weit sein ballistisches Potenzial inzwischen reicht. Ersten Einschätzungen von chinesischen Militärexperten zufolge handelt es sich bei der am Sonntag abgeschossenen Rakete um ein ähnliches Modell, wie es das Regime im Dezember 2012 schon einmal erfolgreich ins All befördert hatte. Der damalige Raketentyp habe eine Reichweite von rund 8000 Kilometer gehabt, der jetzige könne zwischen 1000 und 2000 Kilometer weiter reichen, hieß es. Damit wäre Nordkorea imstande, die meisten Teile Europas, Australiens, Kanadas und selbst die US-amerikanische Westküste zu treffen.

Gegen Mittag Ortszeit verkündete der nordkoreanische Staatssender, dass die Rakete erfolgreich einen Satelliten in den Orbit gebracht habe. Wenige Minuten später gab Nordkoreas amtliche Nachrichtenagentur KCNA auch die genauen Daten der Umlaufbahn bekannt, in welcher der Satellit mit dem Namen „Leuchtender Stern“ künftig in einem Radius von etwa 500 Kilometern die Erde umrunden wird. Damit konnten auch die südkoreanischen Militärdienste ohne Aufwand nachprüfen, ob der Start gelungen war.

Auch Peking schließt sich der Kritik an

Die internationalen Protestnoten ließen nicht lange auf sich warten. Die südkoreanische Regierung in Seoul sprach von einer „schweren Provokation“, die nicht toleriert werden könne. Für Japans Ministerpräsident Shinzo Abe stellt der Raketenabschuss eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden der Welt dar. Und der amerikanische Außenminister John Kerry kündigte an, sich für „ernsthafte Konsequenzen“ einzusetzen, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen.

Selbst Chinas Führung, offiziell der noch einzig verbliebene Verbündete des Regimes in Pjöngjang, schloss sich der Kritik an – wenn auch wie gewohnt in deutlich moderaterem Tonfall. Peking bedauere den Raketenabschuss, erklärte die chinesische Regierung. Noch für Sonntag beantragten Japan und die USA eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats. Dieser verurteilte den Raketenstart scharf. Das Gremium bereite nun eine weitere Resolution gegen das kommunistische Land vor, kündigte der amtierende Vorsitzende des Rates, Rafael Ramirez, an. Nordkorea stelle eine ernsthafte Gefahr für den internationalen Frieden dar. Ein genauer Termin für die neue Resolution stehe aber noch nicht fest, betonten mehrere UN-Botschafter übereinstimmend.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) übte scharfe Kritik. „Diese offene Herausforderung der Weltgemeinschaft durch Nordkorea darf nicht ohne spürbare Konsequenzen bleiben“, erklärte Steinmeier.

Nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes bereitet Nordkorea möglicherweise den nächsten Test einer Atombombe vor. Es gebe Hinweise für Vorbereitungen auf den fünften Atomtest des Landes, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Abgeordnete in Seoul, die zuvor vom Geheimdienst darüber informiert worden seien.

Das verarmte Land könnte einenweltweiten Atomkrieg anzetteln

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits im Jahr 2006 Resolutionen verabschiedet, die dem Regime verbieten, an einem solchen Programm zu arbeiten. Die Führung in Pjöngjang selbst behauptet nun, die Rakete vom Sonntag habe den Satelliten lediglich für Wissenschaftszwecke ins All befördert. Nordkorea übe sein „legitimes Recht auf die Weltraumforschung zu friedlichen Zwecken aus“, rechtfertige eine nordkoreanische Nachrichtensprecherin das Vorgehen ihrer Regierung. Sie kündigte an, dass das Land in Zukunft noch weitere Satelliten ins All schießen werde.

Die Behauptung der „friedlichen Zwecke“ klingt auch deswegen nicht glaubwürdig, da Pjöngjang am 6. Januar erneut unterirdisch eine Atombombe gezündet hatte. Sollte es dem Regime gelingen, seine Langstreckenraketen atomar zu bestücken, bekäme Nordkorea den Status einer Nuklearmacht – es stünde damit formal auf selber Höhe mit China, Russland und den USA. Das ansonsten völlig verarmte Land wäre imstande, einen weltweiten Atomkrieg anzuzetteln.

Vor allem die USA drängen China, verstärkt Druck auf Pjöngjang auszuüben. Die chinesische Führung hat in den vergangenen Monaten zwar mehrfach Nordkorea aufgefordert, sich zurückzuhalten und wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zugleich aber pflegt der „große Bruder“ auch weiter wirtschaftliche Beziehungen mit dem ansonsten von der Außenwelt völlig abgeschotteten Land.

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