US-Wahlkampf

Donald Trump schwänzt letzte TV-Debatte der US-Republikaner

Donald Trump, Umfragen-Liebling der US-Republikaner, will vor den Vorwahlen den konservativen Haussender Fox News in die Knie zwingen.

Donald Trump möchte US-Präsident werden. Mit seinem Vorsprung hält er sich für unverwundbar – und will nicht zur letzten TV-Debatte gehen, weil der Sender Fox eine Trump unangenehme Moderatorin nicht feuert.

Donald Trump möchte US-Präsident werden. Mit seinem Vorsprung hält er sich für unverwundbar – und will nicht zur letzten TV-Debatte gehen, weil der Sender Fox eine Trump unangenehme Moderatorin nicht feuert.

Foto: SCOTT MORGAN / REUTERS

Washington.  Donald Trump versus Fox News. Der republikanische Umfragen-Liebling gegen den quotenstärksten Fernseh-Agitations-Kanal, ohne dessen Segen normalerweise kein Konservativer etwas werden kann – vom bizarrsten Nebenkriegsschauplatz des Präsidentschaftswahlkampfs in Amerika sind seit Dienstag schwere Gefechte zu vermelden.

Weil er sich von dem zum Imperium des Medienzars Rupert Murdoch gehörenden Sender ungebührlich behandelt fühlt, hat der egomanische und zur Selbstkritik unfähige Bauunternehmer seine Teilnahme für die für Donnerstag angesetzte letzte TV-Debatte der republikanischen Kandidaten vor der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa abgesagt. Ein Affront ohne Beispiel.

Kandidat Trump glaubt sich unverwundbar

„Spielchen“ lasse er nicht mit sich machen, sagte Trump. Fox, Gastgeber der Polit-Show, werde schon sehen, wie viel Einschaltquote drin sei, wenn er nicht auf der Bühne stehe. Hintergrund: Der erste Kandidaten-Schönheitswettbewerb im Sommer 2015 brachte Fox mit 24 Millionen Zuschauern einen Rekord ein. Auch wegen Trump, dem Millionen an den Lippen hängen, wenn er das etablierte Washington pauschal der Dummheit zeiht und verspricht, Amerika „wieder groß zu machen“.

Hinter der Kraftprobe steckt, wie immer bei Trump, Kalkül. Mit rund 20 Prozentpunkten Vorsprung vor seinem aussichtsreichsten Rivalen Ted Cruz glaubt sich der 69-Jährige New Yorker in Iowa und darüber hinaus unverwundbar. „Ich könnte mich mitten auf die 5th Avenue stellen und jemanden erschießen“, hatte Trump am Wochenende gesagt und viel Stirnrunzeln ausgelöst, „und ich würde keine Stimmen verlieren.“

Trump will unerschrockene Moderatorin gefeuert sehen

Aus dieser Hybris speist sich sein Ziel, den wirkungsmächtigen Sender in die Knie zu zwingen, den Tag für Tag Millionen meist ältere, weiße und schlecht gebildete Obama- und Demokraten-Hasser einschalten. Getreu des Schlüsselspruchs aus Trumps früherer TV-Show „The Apprentice“: Du bist gefeuert! Du heißt in dem Fall: Megyn Kelly.

Seit die platinblonde Star-Moderatorin bei Fox Trump in der ersten TV-Debatte im August mit dessen berüchtigten frauenfeindlichen Äußerungen („fette Schweine“, „Hündinnen“, „Schlampen“) konfrontierte, ist der dünnhäutige Multi-Milliardär auf Rachefeldzug.

Erst überzog er die gelernte Anwältin, die durch unerschrockene Interviews auch mit konservativen Galionsfiguren wie Ex-Vizepräsident Dick Cheney bekannt wurde, mit sexistischen Schmähungen („Aus ihren Augen kam Blut, Blut lief überall aus ihr heraus“). Dann forderte er mehrfach ihre Absetzung, weil sie ein „drittklassiges Leichtgewicht“ sei.

Sender Fox behält Moderatorin Megyn Kelly im Team

Fox News-Chef Roger Ailes, anders als Konzernboss Murdoch eigentlich ein Trump-Kumpel und Fan, ließ den Immobilientycoon wissen, dass es nicht in seine Kompetenz falle, sich die Moderatoren auszusuchen. Megyn Kelly bleibe in dem Team, das am Donnerstag in Iowa den Präsidentschafts-Kandidaten auf den Zahn fühlt. Basta I. In einer Pressemitteilung kübelte der Sender am Dienstagabend ungelenk Spott über Trump aus, der bekannt dafür ist, austeilen aber überhaupt nicht einzustecken zu können. Trump reagierte wie beschrieben. Basta II. Er kündigte an, zeitgleich zur Debatte eine Benefiz-Veranstaltung für Kriegsveteranen und verwundete Soldaten zu besuchen.

Dass Trump Fox offen den Fehdehandschuh hinwirft, folgt seiner Überzeugung, dass die Wähler am Ende ihm treu folgen werden. Und nicht dem Sender, der im reaktionären Spektrum seit Jahren mit konstant überzeichneten bis wahrheitswidrigen Berichten das Weltbild vieler Amerikaner prägt.

Ein Risiko-Spiel, das funktionieren kann, solange Trump bei den ersten Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina Umfragengunst in Stimmzettel verwandelt. Wenn nicht, könnte Rupert Murdoch den Daumen senken und Roger Ailes den Mann mit der dubiosen Frisur ganz langsam ausbluten lassen. Megyn Kelly hätte dafür gewiss Verständnis.

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