Banken, „Peanuts“ und Panzerknacker

2015 wurden Geldautomaten in 108 Fällen gesprengt. Tendenz steigend

Im Jahr 2015 ist fast jeden dritten Tag irgendwo in Deutschland ein Bankautomat detoniert, bis zum 15. Dezember 108 Mal. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) sogar höher sein.

Die schätzungsweise 60.000 Cash-Maschinen sind eine leichte Beute. Diebe leiten meist ein Gas-Luft-Gemisch in den Apparat ein und zünden es mit einer Lunte. Nach BKA-Angaben haben sie allerdings nur in 37 Prozent der Fälle Erfolg. Mal sind es ein paar Hundert Euro, im Einzelfall können es 380.000 Euro werden. Der Sachschaden (Geräte, Gebäude) dürfte in die Millionenhöhe gehen und liegt häufig „deutlich über dem Wert“ der Beute, wie aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht.

Nicht zuletzt sind die Sprengungen ein Risiko für Leib und Leben von Passanten, Kunden sowie Bewohnern der betroffenen Häuser. Die Straftäter werden immer dreister, sie sprengen überall: in Wohnhäusern, Kaufhäusern, Baumärkten und Bahnhöfen. Sie knacken auch Fahrkarten- und Zigarettenautomaten, im Einzelfall auch unter Einsatz von Sprengstoff. Es ist ein Wunder, dass bisher – bis auf einen Panzerknacker im rheinland-pfälzischen Sinzig – niemand verletzt wurde. Die Straftäter gehen meist nachts vor.

Die Länder sind nicht verpflichtet, jede Sprengung von Geldautomaten bundesweit zu melden. Die Statistik ist unvollständig. Das BKA kam allein aufgrund einer internen Auswertung von Presseberichten auf 130 Fälle, deutlich mehr als offiziell gezählt.

Auffällig ist, dass die Zahlen seit 2013 steigen – damals waren es 89 Fälle – und dass es regionale Schwerpunkte gibt. In Nordrhein-Westfalen schlugen die Panzerknacker 55 Mal zu, in Niedersachsen 17, in Berlin und Brandenburg elf Mal. In Bayern, Baden-Württemberg oder Hamburg ist es dagegen kein Thema. Bekannt ist, dass die Delikte auch in Holland, Belgien und Frankreich ein Problem sind. Geographisch spricht viel für die Annahme, dass in NRW und Niedersachsen oft Banden grenzüberschreitend unterwegs sind. Zumal die Holländer es den Dieben immer schwerer machen. Dort haben mehrere Großbanken die Geräte gesichert. Bei Gewalteinbruch werden die Scheine mit Farbe übergossen. Die deutschen Banken sind aufgeschreckt, aber viel ist nicht passiert. Einige sind in NRW und Berlin dazu übergegangen, Filialen während der Nachtzeit zu schließen.

Die Innenpolitikerin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, wirft den Geldinstituten Untätigkeit vor. Sie könne nur „den Kopf darüber schütteln, dass die Banken die paar Peanuts scheuen, die etwa für den Einbau von Farbbomben nötig wären“. Das Interesse der Kunden und Passanten stehe offenbar „nicht im Zentrum“. Auch das BKA rät zur Nachrüstung. Eine Alternative zur Einfärbtechnik sind Systeme, die Gas verdrängen oder schadlos abfackeln. Kostenpunkt: 2000 bis 3000 Euro.

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