Politik

Gespaltener Osten

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Julia Emmrich

Ist der Aufbau Ost eine Erfolgsgeschichte oder nicht? Die Antwort ist schwierig. Genauer: Es gibt zwei Antworten. Für Städte wie Potsdam, Leipzig und Dresden, Jena und Erfurt ist die Sache klar. Sie sind ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall schöner, lebenswerter und auch beruflich attraktiver als manche heruntergelebte Stadt im Westen. Für andere Regionen aber gilt das Gegenteil. Das zeigt auch die jüngste Studie der Bevölkerungsforscher des Berlin Instituts. Die allermeisten ländlichen Gemeinden blühen nicht, sie trocknen aus. Weniger Arbeit, weniger Menschen, weniger Wirtschaftskraft – es ist eine Abwärtsspirale.

Wirtschaftsexperten fordern deswegen schon lange mehr Ehrlichkeit in der Debatte. Viele Regionen im Osten, so heißt es, werden nie das Niveau des Westens erreichen. Die Angleichung der Lebensverhältnisse sei für Ostdeutschland als Ganzes nicht erreichbar. Der Grund: Zwischen Ost und West ist der Abstand bei der Wirtschaftskraft in den vergangenen 20 Jahren unverändert geblieben, die Arbeitslosenquote im Osten liegt weiterhin deutlich höher als im Westen, es gebe nicht nur zu wenige Großbetriebe, es fehle oft auch an Unternehmergeist.

Einig sind sich viele Forscher darin, was dem Osten helfen könnte: Zuwanderung in die ländlichen Gebiete. Die Flüchtlinge bedeuteten gerade für den Osten eine große Chance, auf dem Land seien sie sogar leichter zu integrieren als in großen Städten. Vom Prinzip her, zumindest. Denn selbst wenn es klappt mit der Willkommenskultur und der Integration – was kommt danach? In Dörfern, in denen es jetzt schon keine Arbeit mehr gibt, werden die Flüchtlingskinder zwar eine Zeit lang die Kitas und Schulen wieder füllen, aber ihre Eltern werden nicht lange bleiben können, selbst wenn sie wollen. Denn warum sollten sie sich anders verhalten als die jungen Ostdeutschen? Wer Regionen zum Blühen bringen will, muss Arbeitsplätze schaffen. Angesichts der Bevölkerungsstruktur dürften Dienstleistungen für Ältere am erfolgreichsten sein – zumindest wäre das ein erster Schritt.

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