Washington –

US-Atomrakete bei Wartungsarbeiten beschädigt

Immer wieder Pannen in Amerikas Nuklear-Arsenal

Washington.  Die amerikanischen Atomstreitkräfte kommen nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nach alarmierenden Berichten über Disziplinarprobleme, Sicherheitslücken, mangelnde Arbeitsmoral und massive Führungsmängel kommt ein weiterer Fall hinzu. Nach Recherchen des US-Journalisten Robert Burns gab es im Frühling 2014 im US-Bundesstaat Colorado einen schweren Zwischenfall. Bei unsachgemäß ausgeführten Wartungsarbeiten wurde eine Interkontinentalrakete vom Typ Mi­nute­man-III beschädigt und musste aus dem Verkehr gezogen werden. Der Schaden belief sich auf 1,8 Millionen Dollar.

Die drei beteiligten Experten der Luftwaffe wurden für ein Jahr vom Dienst suspendiert. Sie sollen Dienstprotokolle bei der Abwicklung der technischen Panne missachtet haben. Die Air Force weigert sich, nähere Informationen über die Panne zu veröffentlichen – „zu sensibel“. Klar ist aber nach Angaben eines Pentagon-Sprechers, dass eine zur Zeit des Unfalls tätige Untersuchungskommission des Verteidigungsministeriums aus bisher nicht bekannten Gründen nicht über den Zwischenfall unterrichtet wurde.

Der Raketenskandal ist aus Sicht von Nuklearexperten der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler ein weiteres Alarmsignal, dass im Management der Atomstreitmacht nach wie vor keine optimalen Bedingungen herrschen. Zuvor hatte sich herausgestellt, dass bei der Ausbildung des Personals geschludert wurde und elementare Sicherheitsstandards in den unterirdischen Gefechtsständen der 450 Interkontinentalraketen ignoriert worden waren. Mehrere Dutzend Soldaten waren gefeuert worden. Der frühere Verteidigungsminister Chuck Hagel leitete persönlich eine umfassende Untersuchung ein.

Dabei kam unter anderem heraus, dass der inzwischen entlassene Vizekommandeur der US-Nuklearstreitkräfte, Admiral Timothy Giardina, Pokerchips gefälscht hatte, um seine Spielleidenschaft zu finanzieren. Amerikas Atomstreitmacht kostet nach Angaben des Budgetamtes des US-Kongresses den Steuerzahler in den nächsten zehn Jahren rund 130 Milliarden Dollar.