Ärztehonorare

Ärzte wollen mehr Geld für Privatpatienten verlangen

Deutsche Ärzte wollen an Privatpatienten künftig mehr Geld verdienen. Noch in diesem Jahr ist eine Reform des Honorarsystems möglich.

Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery warb am Samstag beim Sonderärztetag in Berlin für die neue Gebührenordnung.

Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery warb am Samstag beim Sonderärztetag in Berlin für die neue Gebührenordnung.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin.  Die Ärzte wollen für die Behandlung von Privatpatienten deutlich mehr Honorar bekommen. Am Ende der Gespräche mit der privaten Krankenversicherung über eine neue Gebührenordnung müsse ein Plus stehen, forderte der Verhandlungsführer der Ärzteschaft, Theodor Windhorst, auf einem außerordentlichen Ärztetag in Berlin: „Ich erwarte, dass dabei etwas herauskommt.“

Die Bundesärztekammer verhandelt derzeit mit dem Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) über ein neues Honorarsystem. Gibt es eine Einigung, will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die amtliche Gebührenordnung noch in diesem Jahr anpassen. Die SPD hat bereits Widerstand dagegen angekündigt. Das letzte Mal wurde die Gebührenordnung vor 20 Jahren verändert. Es geht um viel Geld: Die privaten Krankenversicherer erstatten jedes Jahr rund elf Milliarden Euro für ambulante ärztliche Leistungen. Hinzu kommen einige Milliarden Euro von selbst zahlenden Kassenpatienten.

Streit über Ausgestaltung des neuen Honorarsystems

Einig ist sich die Ärzteschaft nur darin, dass das Honorarsystem modernisiert werden und dass es dabei mehr Geld geben soll. Umstritten ist die konkrete Ausgestaltung, weshalb der Ärztetag einberufen wurde. Kritiker des neuen Systems befürchten, dass es sich der gesetzlichen Krankenversicherung annähert. „Es geht weiter in Richtung Sozialgesetzbuch“, sagte der Vizepräsident der Ärztekammer Berlin, Elmar Wille. Der Gesundheitsminister und die Krankenversicherer bekämen zu viel Einfluss. Die Kritik entzündet sich auch daran, dass es nur noch einen Honorarsatz geben soll, der zwar erstmals in Euro und Cent ausgewiesen werden soll, aber nur in Ausnahmefällen erhöht werden kann.

Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery warb für die neue Gebührenordnung mit dem Argument, es handele sich um eine „Jahrhundertchance“, die Reform jetzt umzusetzen. Nach mehreren Stunden kontroverser Debatte beschloss der Ärztetag, die Verhandlungen mit der PKV fortzusetzen. Mit einem ersten Ergebnis wird bereits in wenigen Wochen gerechnet. (phn)