Istanbul –

Türkei greift Hunderte Stellungen der IS-Terroristen an

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Vergeltung für den Anschlag von Istanbul. De Maizière zweifelt an Identifizierung des Attentäters. Elf Urlauber zurückgekehrt

Istanbul.  Nach dem Terroranschlag in Istanbul sind elf unverletzte Urlauber zurück in Deutschland. Sie seien inzwischen in verschiedenen Städten gelandet, teilte das Reiseunternehmen Lebenslust Touristik GmbH am Donnerstag mit. Fünf Mitglieder der Reisegruppe setzten ihren Urlaub fort und flogen wie gebucht nach Dubai. Sieben verletzte Urlauber seien noch in türkischen Krankenhäusern. Bei dem Terroranschlag waren am Dienstag zehn deutsche Touristen getötet worden.

Die Türkei hat unterdessen zwei weitere Verdächtige festgenommen und geht verstärkt gegen die radikalislamische IS-Miliz vor. 500 Panzer- und Artilleriegeschosse seien auf Stellungen der Extremisten in den Nachbarstaaten Syrien und Irak abgefeuert worden, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Donnerstag. Dabei seien in den vergangenen 48 Stunden nahezu 200 IS-Mitglieder getötet worden. Davutoglu kündigte an, notfalls auch Luftangriffe gegen den „Islamischen Staat“ zu fliegen. Die Türkei werde entschlossen vorgehen, bis sich die Miliz aus dem Grenzgebiet zurückgezogen habe. Die gewöhnlich gut informierte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet Zweifel an. Sie berichtet zwar von türkischem Artilleriebeschuss, es habe aber keine hohen Verluste unter den Extremisten in Nordsyrien gegeben. Nach Angaben des kurdischen Peschmerga-Ministeriums ist es im Nordirak zu keinen Angriffen gekommen. Auch im Lagebericht der türkischen Armee finden sich keine Hinweise auf Beschuss in den Nachbarländern.

Zudem hat sich – anders als beim Anschlag am Donnerstag in Indonesien – die Terrormiliz IS nicht zu dem Anschlag in Istanbul bekannt. Die Türkei hatte sie aber als Drahtzieher ausgemacht. Die Identität des Attentäters von Istanbul ist laut türkischer Regierung bereits am Abend des Anschlags geklärt gewesen. Von ihm lägen Fingerabdrücke vor, weil er sich in Istanbul als Flüchtling habe registrieren lassen, sagt Innenminister Efkan Ala. Doch auch bei der Identität herrscht anscheinend keine abschließende Gewissheit. Nach einem Treffen mit Ala in Istanbul sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU): „Man hat diesen Mann insoweit identifiziert, dass es ein Personaldokument gibt, aber ob dieses Personaldokument zu diesem Mann gehört, ist alles noch Gegenstand der Aufklärung.“ Auch Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte im RBB, er wisse noch nicht, ob tatsächlich der IS hinter dem Anschlag stehe.

Die Türkei schickt offenbar systematisch Bürgerkriegsflüchtlinge zurück nach Syrien. Dem ARD-Magazin „Monitor“ liegen Aussagen mehrerer Syrer vor, die von türkischen Grenzbeamten abgeschoben wurden und mithilfe von Schleppern wieder das Kriegsland verlassen konnten.

Lebenslust Touristik in Berlin teilte unterdessen mit, dass bereits gebuchte Türkeireisen bis zum 31. Januar kostenfrei storniert werden können.

( dpa )

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