Kommentar

Barack Obamas Eingeständnis löst mulmige Gefühle aus

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Dirk Hautkapp
Schon auf Abschied eingestellt? US-Präsident Barack Obama nach seiner letzten Rede an die Nation. In einem Jahr gibt er seinen Job im Weißen Haus ab.

Schon auf Abschied eingestellt? US-Präsident Barack Obama nach seiner letzten Rede an die Nation. In einem Jahr gibt er seinen Job im Weißen Haus ab.

Foto: POOL / REUTERS

Es war Barack Obamas letzte Rede an die Nation. Er gab sich kämpferisch, räumte aber in einem Punkt sein Scheitern ein. Ein Kommentar.

Washington.  Das war keine normale Rede zur Lage der Nation, mit der Barack Obama seine noch ein Jahr dauernde Ehrenrunde im Weißen Haus einläutete. Das war die Rede zur Lage einer Nation, in der Extremisten wie Donald Trump und Ted Cruz eine tragende Rolle spielen könnten, wenn die Wähler in Amerika nicht rechtzeitig zur Besinnung kommen.

Ihnen galt die leidenschaftliche einstündige Predigt, mit der Obama dem durch Terror-Hysterie und Islam-Verunglimpfung verunsicherten Volk neuen Mut vermitteln wollte. Ohne die republikanischen Kaputtredner, die den ersten Afroamerikaner im Weißen Haus bei der Wahl im November beerben wollen und das Land darstellen wie einen Endzeit-Film à la Mad Max, auch nur einmal mit dem Namen zu erwähnen, war die Botschaft klar: Lasst euch nicht kirre machen von den Rattenfängern und Spaltern! Amerika ist und bleibt unangefochten stark – ökonomisch wie militärisch!

So schlecht stehen die Dinge in den USA nicht

Dass Obama das prominenteste Podium – 30 Millionen Fernsehzuschauer – nutzte, um der im Wahlkampf grassierenden Realitätsverzerrung mit Mäßigung Paroli zu bieten, war überfällig. Obama bediente sich zwar wie jeder Präsident vor ihm der alten Taktik: Sie täuschen Dynamik vor und treten in viele Fällen doch nur auf der Stelle.

Guantànamo ist immer noch nicht geschlossen. Die Armut steigt. Und trotz 14 Millionen neuen Jobs und einer boomenden Auto-Industrie spüren Millionen Mittelschichtler regelmäßig Unbehagen, wenn sie am Monatsende ins Portemonnaie schauen. Aber so mies wie Trump & Co. („Wir gewinnen nirgends mehr – es ist ein Desaster“) den Zustand der Supermacht in kaum mehr steigerbarer Verantwortungslosigkeit beschreiben, sind die Dinge bei weitem nicht. Mit einer Ausnahme.

Hass und Misstrauen haben neue Höhen erreicht

Der Mann, der 2008 mit fast messianischem Antrieb als Brückenbauer über konfessionelle und ideologische Gräben hinweg angetreten war, räumte zum ersten Mal ein, dass im politischen Wettstreit „Hass und Misstrauen“ neue Höhen erreicht haben.

Ein Geständnis, das mulmige Gefühle auslöst. Denn im Vergleich zur Konkurrenz im konservativen Lager ist Obama noch immer oft der einzige Erwachsene im Raum. Man möcht sich wirklich nicht vorstellen, wenn die uneinigsten Staaten von Amerika im November den Typus Rabauke wählen sollten.