BerliN –

Bundeswehr will israelische Drohne Heron TP leasen

Das Land ist zu einem Technologietransfer bereit

BerliN. Ab 2018 soll die Bundeswehr mit bewaffnungsfähigen Aufklärungsdrohnen des Typs Heron TP ausgerüstet werden. Es wäre eine Übergangslösung – bis 2025 eine europäische Drohne bereit steht.

Die Vorentscheidung für die israelische Drohne, gegen das US-Konkurrenzprodukt Predator, traf Generalinspekteur Volker Wieker. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verkündete am Dienstag, "es wird um eine bewaffnungsfähige Drohne gehen, das wird für die Zukunft Standard sein." Das irritierte allerdings ihren Koalitionspartner. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann bekannte, "bisher ist nicht davon die Rede, dass die bewaffnet zum Einsatz kommen soll".

Offene Kritik kam von den Grünen und von der Linkspartei. "Bei der Beschaffung von Kampfdrohnen geht es nicht um das Schließen einer Fähigkeitslücke, sondern um die Fähigkeit zum Mord per Fernbedienung", erklärte die Linken-Wehrexpertin Christine Buchholz. Tausende Zivilisten seien bereits Opfer von Drohnenangriffen geworden, beklagte sie. Die drei bis fünf unbemannten Flugzeuge sollen nicht gekauft, sondern geleast werden. Kostenrahmen: fast 600 Millionen Euro. Die Drohnen sollen in Israel stationiert werden. Ausbildung und Training finden großteils ebenfalls dort statt. Der Heimatverband wäre allerdings das Taktische Luftwaffengeschwader im schleswig-holsteinischen Jagel.

Der deutsche Partner ist in diesem Fall Airbus

Für die Heron TP spricht, dass es bereits eine enge industrielle Zusammenarbeit mit den Israelis gibt. Hinzu kommt, dass die Bundeswehr längst mit einer anderen israelischen Drohne – Heron 1 – in Afghanistan operiert und zudem erwägt, im Herbst für die vorgesehene Mission in Mali eine weitere Maschine zu beschaffen. Die Heron könnte eineinhalb Jahre früher als die US-Drohne eingesetzt werden. Außerdem wären die Israelis zu einem Technologietransfer bereit. Der deutsche Partner ist Airbus. Unter deutscher Federführung entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Frankreich, Italien und Spanien eine europäische Drohne. Zum Vergleich: Die Amerikaner würden den Predator nur mit einer Blackbox liefern, in die man nicht hineinschauen könnte. Dieser bleibt nur eine Rückfalloption, falls die jetzt beginnenden Verhandlungen mit den Israelis doch noch scheitern sollten.

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