Ausschreitungen

Neue Gewaltszenen in Köln – Mehrere Ausländer verletzt

Köln kommt nicht zur Ruhe: Am Sonntag attackierten Unbekannte mehrere Ausländer. Die Polizei spricht von einem „alarmierenden Signal“.

Vor dem Dom in Köln patrouillierten am Wochenende zahlreiche Polizisten. In der Innenstadt kam es trotzdem zu Angriffen auf Ausländer.

Vor dem Dom in Köln patrouillierten am Wochenende zahlreiche Polizisten. In der Innenstadt kam es trotzdem zu Angriffen auf Ausländer.

Foto: Maja Hitij / dpa

Köln.  Neue Gewaltszenen in Köln: In Gruppen haben unbekannte Täter in der Innenstadt mehrere Ausländer angegriffen und verletzt. Zwei Pakistaner mussten nach den Attacken am Sonntagabend ins Krankenhaus gebracht werden, ein Syrer wurde leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Bei den Angriffen auf Ausländer am Sonntagabend in der Kölner Innenstadt handelt es sich nach Erkenntnissen der Polizei um „fremdenfeindliche Straftaten“. Hier hätten sich gezielt Leute über die sozialen Netzwerke verabredet, um auf augenscheinlich „nicht-deutsche Menschen“ loszugehen, sagte Norbert Wagner von der Kölner Polizei am Montag. „Es ist ein alarmierendes Signal, dass wir sehr ernst nehmen“.

Fast 200 Platzverweise

Binnen einiger Stunden seien 153 Personen überprüft und 199 Platzverweise ausgesprochen worden. Die Beteiligten seien zum Teil Rechtsextreme gewesen, zum Teil kämen sie aus der Hooligan-, Rocker- oder Türsteher-Szene. Bei den Angriffen waren mehrere Menschen verletzt worden, darunter zwei Pakistaner und ein Syrer.

Michael Temme, bei der Kölner Polizei für die Gefahrenabwehr zuständig, sagte: „Das sind Taten von Menschen, die meinen, sie müssten das Recht in die eigene Hand nehmen.“ Die Situation mache ihm „große Sorgen“, doch werde die Polizei alles tun, um die Bürger zu schützen. So seien die Streifendienste in der Innenstadt verstärkt worden.

Per Facebook zur „Menschenjagd“ verabredet

Nach Informationen des Kölner „Express“ hatte sich eine Gruppe aus Rockern, Hooligans und Türstehern über Facebook verabredet, „um in der Kölner Innenstadt „auf Menschenjagd“ zu gehen“. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht wolle man „ordentlich aufräumen“, zitierte das Blatt aus einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe. Ob zwischen dem Aufruf und den Angriffen ein Zusammenhang besteht, war zunächst unklar.

Der erste Vorfall ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 18.40 Uhr. Eine Gruppe von etwa 20 Menschen ging in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes auf sechs Pakistaner los. Rund zwanzig Minuten später kam es nicht weit entfernt zu einer zweiten Attacke: Fünf Täter griffen einen Mann aus Frechen mit syrischer Staatsangehörigkeit an. Der 39-Jährige wurde verletzt, musste aber nicht ärztlich behandelt werden. Ob es zwischen den Taten eine Verbindung gibt, war zunächst offen.

Polizei spricht von gezielten Provokationen

Bereits am Nachmittag habe die Polizei Hinweise „auf Personengruppen erhalten, die gezielt Provokationen suchen würden“, hieß es in der Mitteilung vom Sonntagabend. Daraufhin sei die Polizei in der Innenstadt mit starken Kräften im Einsatz gewesen. In der Nacht sei die Präsenz nach mehreren Personenkontrollen dann wieder zurückgefahren worden, sagte ein Polizeisprecher. Über 100 Menschen wurden von den Beamten kontrolliert.

Im Zuge der Kontrollen seien vier Menschen vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, die ausgesprochene Platzverweise nicht befolgt hätten. Ob diese Personen zu den Angreifern gehörten, konnte ein Polizeisprecher nicht sagen. Es wurden zwei Strafanzeigen gestellt.

Am Samstag rechte Demonstration aufgelöst

Am Samstag hatte die Kölner Polizei eine Kundgebung von Hooligans und Rechtsextremisten aufgelöst. Die Beamten seien aus der Menge der rund 1700 Demonstranten immer wieder mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei setzte schließlich Wasserwerfer und Reizgas ein und nahm 15 Personen vorübergehend in Gewahrsam.

Hintergrund der Demonstration waren die massiven Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in der Domstadt, für die Opfer und Zeugen vor allem Täter nordafrikanischer oder arabischer Herkunft verantwortlich gemacht hatten. (dpa)

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