Barcelona –

Ein entschlossener Separatist regiert künftig Katalonien

Barcelona.  Es war eine überraschende Kandidatenkür in letzter Minute. Nur wenige Stunden fehlten noch, bis die Frist für die Ernennung eines neuen Regierungschefs in Spaniens abtrünniger Region Katalonien ablief und Neuwahlen fällig geworden wären. Doch dann zauberte ein kühl lächelnder Artur Mas, Kataloniens bisheriger Ministerpräsident, seinen Nachfolger aus dem Hut: Carles Puigdemont, der bisherige Bürgermeister der katalanischen Costa-Brava-Stadt Girona, soll nun Katalonien in die Unabhängigkeit führen.

Mit dem 53-Jährigen rückt ein entschlossener Separatist ins Amt des katalanischen Regierungschefs, von dem keine Entspannung in jenem Unabhängigkeitskonflikt zu erwarten ist, der die Einheit des spanischen Königreichs bedroht. „Die Invasoren werden bald aus Katalonien herausgeworfen“, verkündete er unter Beifall seines Publikums schon vor zwei Jahren. Mit dem Eindringling meinte er Spanien, das von ihm wie von der gesamten Separatismusbewegung als eine Besatzungsmacht in der katalanischen Region betrachtet wird. Puigdemont tritt für einen „freien und souveränen katalanischen Staat“ ein. Puigdemont gehört auch wie Mas zur Unabhängigkeitsfront Junts pel Sí (Gemeinsam für das Ja), welche im Herbst die katalanische Regionalwahl gewann. Zusammen mit der kleineren, radikaleren Separatismuspartei CUP haben die Abspalter die knappe absolute Mehrheit in der Regionalkammer. Die linke Plattform CUP wollte jedoch nicht den durch Korruptionsskandale angeschlagenen Mas als Regierungschef, sondern einen unbelasteten Kandidaten – deshalb wurde Puigdemont auf den Schild gehoben. Die Regierung in Madrid, die Kataloniens Sezession ablehnt, drohte den Separatisten mit Sanktionen. In Spaniens Verfassung ist „die unauflösbare Einheit der spanischen Nation“ verankert.

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