Recklinghausen –

Attentäter wohnte in deutschem Asylbewerberheim

In Paris erschossener Terrorist saß mehrfach im Gefängnis

Recklinghausen.  Der mit einem Metzgerbeil bewaffnete Mann hatte am Jahrestag des Angriffs auf „Charlie Hebdo“ versucht, in das Kommissariat im 18. Bezirk von Paris einzudringen. Die Polizei erschoss den Angreifer, der auch eine Attrappe einer Sprengstoffweste trug.

Jetzt wird immer mehr über den Angreifer bekannt: Der Mann lebte zuletzt in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes war er zuvor in Deutschland unter verschiedenen Identitäten als Marokkaner, Syrer oder Georgier mehrfach straffällig geworden. Unter anderem saß er im vergangenen Jahr in den Justizvollzugsanstalten Heinsberg, Iserlohn und Bochum ein, wie LKA-Direktor Uwe Jacob am Sonntag in Düsseldorf sagte. Um wen es sich bei dem Mann tatsächlich handelt und welche Nationalität er tatsächlich hatte, sei noch nicht geklärt.

Laut Ausländerzentralregister sei der Mann erstmals am 1. November 2013 nach Deutschland eingereist, sagte Jacob. Zuvor soll er sich eine längere Zeit illegal in Frankreich aufgehalten haben. In Recklinghausen sei er dreimal wegen Drogenbesitzes und Konsum auffällig geworden, mehrfach wegen Körperverletzung, wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Beleidigung und Bedrohung. 2014 soll er auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und diesen mit Flüssigkeiten übergossen haben, sagte der LKA-Direktor. Außerdem sei er wegen sexueller Belästigung von Frauen in einer Diskothek sowie wegen eines Messerangriffs auf einen Mitbewohner der Asylbewerberunterkunft aufgefallen.

Nach den Worten von Jacob war der Mann auch bereits einmal in Schweden festgenommen und nach Luxemburg ausgeliefert worden. Zudem habe er lange in Frankreich gelebt. Anfang Dezember letzten Jahres hielt sich der Mann in Frankreich auf, den Jahreswechsel habe er in Deutschland verbracht, danach sei er wieder nach Frankreich gegangen.

In der Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen soll der Mann in mehreren Zimmern auch Fahnen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) an die Wand gemalt haben. Bei der Durchsuchungsaktion der Polizei in seiner Wohnung wurden laut Jacob zahlreiches Beweismaterial, Akten, Sim-Karten sowie zwei Messer sichergestellt. Schusswaffen oder Sprengstoff wurden nicht gefunden. Bislang gebe es keine Hinweise auf weitere Anschläge. Die Ermittlungen würden fortgesetzt.

Die Polizei sei immer mal wieder in die Asylunterkunft gerufen worden, berichtet Stadtsprecherin Corinna Weiß. Drogendelikte, Schlägereien, Probleme mit Müll – was so passiere, wenn viele Menschen auf einem Ort lebten. „Hinweise auf Terror hatten wir als Verwaltung zumindest nie.“

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