Köln –

Sexuelle Gewalt möglicherweise im Internet verabredet

Köln.  Die Übergriffe an Silvester zeigen laut CDU-Politiker Norbert Röttgen die Grenzen der deutschen Belastbarkeit in der Flüchtlingskrise. Im Ausland würde die Gewalt von Köln „als Beleg gewürdigt, welche enormen Herausforderungen unser Land eingeht zum Schutz von Flüchtlingen und im Interesse Europas“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag dieser Zeitung. Zugleich werde gesehen, dass sich die Ereignisse nicht wiederholen dürften, andernfalls würden die politischen Ressourcen Deutschlands erschöpft.

Unterdessen geht Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) davon aus, dass die sexuellen Angriffe auf Frauen organisiert waren. „Wenn sich eine solche Horde trifft, um Straftaten zu begehen, scheint das in irgendeiner Form geplant worden zu sein. Niemand kann mir erzählen, dass das nicht abgestimmt oder vorbereitet wurde“, bekräftigte Maas in der „Bild am Sonntag“. Auch einen Zusammenhang zwischen den Attacken auf Frauen in mehreren deutschen Städten schließt der Justizminister nicht aus: Alle Verbindungen müssten sehr sorgfältig geprüft werden. „Der Verdacht liegt nahe, dass hier ein bestimmtes Datum und zu erwartende Menschenmengen herausgesucht wurden. Das hätte dann noch einmal eine andere Dimension.“

Medien berichten unter Berufung auf interne Polizeidokumente, dass nordafrikanische Gruppen über soziale Netzwerke Landsleute dazu aufriefen, Silvester nach Köln zu kommen. Die Hinweise werden allerdings noch sehr vorsichtig behandelt. Gezielte Gewalt gegen Frauen bei Massenveranstaltungen gibt es seit Jahren in Nordafrika. Bisher sind bei der Polizei in Köln 516 Anzeigen mit Bezug auf die Silvesternacht eingegangen.

Vier Flüchtlinge aus Nordrhein-Westfalen haben sich unterdessen mit einem offenen Brief zu den Silvesterübergriffen an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. Die drei Syrer und ein Pakistani bekunden ihr Entsetzen über die Gewalt, an der vermutlich Migranten und Flüchtlinge beteiligt waren. „Auch für uns ist die Würde des Menschen unantastbar, ob Mann oder Frau. Für uns ist es selbstverständlich, die Gesetze des Aufnahmelandes zu achten.“

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