Kommentar

Nach der Gewalt in Köln darf Hass keine Antwort sein

| Lesedauer: 2 Minuten
Christian Unger
Die Rechten instrumentalisieren die Kölner Vorfälle aus der Silvesternacht für ihre fremden- und islamfeindliche Hetze.

Die Rechten instrumentalisieren die Kölner Vorfälle aus der Silvesternacht für ihre fremden- und islamfeindliche Hetze.

Foto: Thilo Schmülgen / dpa

Rechte missbrauchen die Kölner Opfer sexueller Gewalt für wütende Hetze gegen Flüchtlinge und Muslime. Das ist ein gefährliches Spiel.

Köln.  „Menschenmob“ ist kein schönes Wort. Es klingt roh, pauschal, wütend. Doch die Berichte von Opfern der Silvesternacht in Köln lassen kein anderes Wort zu: Hier hat ein „Mob“ Gewalt an Frauen verübt. Erhärten sich die bisherigen Ermittlungen, dann waren die meisten Täter Ausländer. Eine Debatte über den Umgang mit straffälligen Ausländern ist genauso wichtig wie die Diskussion darüber, wie Menschen gegen sexualisierte Übergriffe besser geschützt werden können. Das ist Deutschland den Opfern von Köln schuldig, aber auch allen anderen Opfern sexueller Gewalt. Frauenberatungen zählten von 2001 bis 2012 jährlich 8000 Vergewaltigungen in Deutschland – nur selten kommt es zu Verurteilungen. Das muss sich ändern.

Doch in den Tagen nach Silvester war noch ein anderer „Mob“ unterwegs – und nicht nur in Köln. Dieser andere „Mob“ zieht mit Hassparolen gegen Flüchtlinge und Muslime los. In Köln traten Hooligans und Rechtsextremisten bei einer Pegida-Kundgebung auf. Die Gewalt eskalierte, die Polizei löste die Veranstaltung auf. Der rechte Mob zeigt sich im Netz und auf der Straße. Wer die Debatten, die Symbole und Parolen der Rechten beobachtet, lernt schnell: Es geht ihnen nicht um die Rechte von Frauen. Es geht darum, Rassismus und Vorurteile gegen Migranten zu befeuern. Dieses Spiel dürfen wir nicht zulassen.

Wut ist kein guter Aggregatzustand für Gesetzgeber

Die Angriffe in der Silvesternacht machen wütend, verängstigen und schockieren. Doch Hass darf nicht die Antwort sein. Wer gegen Flüchtlinge oder Ausländer hetzt, missbraucht die Opfer für menschenfeindliche Stimmungsmache. Bürger sollten einer solchen Hetze entgegentreten. Die Menschen in Deutschland haben viel geleistet für andere in Not. Das bleibt – trotz Köln.

Wut ist kein guter Aggregatzustand für Gesetzgeber. Hass ist keine Melodie für eine Debatte darüber, was Deutschland leisten kann und muss für Menschen auf der Flucht. Rechte versuchen die Gesellschaft zu spalten in ein „Wir deutsche Opfer“ und ein „Die fremden Täter“. Ja, es muss ein „Wir“ geben. Aber eines, dass sich gegen Gewalt richtet. Ganz egal, ob von Ausländern oder Deutschen, von Muslimen oder Christen, von Männern oder Frauen.

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