Politik

Jeder druckt, was und wie es ihm gefällt

Die 3-D-Geräte verändern nicht nur die Forschung, sondern die praktische Welt

Was haben die Büste des Königs Echnaton aus dem alten Ägypten, der Kopf seiner Mutter, der Königin Teje, und der Schädel des großen T-Rex aus dem Naturkundemuseum in Berlin gemeinsam? Kopien all dieser wertvollen und alten Stücke wurden mit einem 3-D-Drucker im 3-D-Labor der Technischen Universität (TU) Berlin gefertigt.

Für viele Museen dürften sich daraus neue Perspektiven eröffnen. Warum die ausgestellten Gegenstände nicht einfach fotografieren und zum Anfassen oder Mit-nach-Hause-Nehmen zur Verfügung stellen? Gibt es einen Wandel vom Sammler und Aussteller von wertvollen (weil originalen) Gegenständen in exklusiven Räumen zum Kulturverbreiter von (nach)gedruckten Objekten, für die Interessierte zahlen und die ihnen nach Hause geliefert werden? Die Zeit wird das zeigen, die technischen Möglichkeiten dafür sind bereits vorhanden. Der 3-D-Druck oder präziser die additive Fertigung hat das Potenzial wie wenig Anderes, unsere praktische Welt zu verändern. Mit einer App, welche die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich für Handys angekündigt hat, kann man um einen Gegenstand herumlaufen, Aufnahmen machen und diese dann an einen Drucker schicken, der das Objekt originalgetreu nachdruckt. Kaum vorstellbar, was man damit alles machen kann.

Kern des dreidimensionalen Drucks ist die Erzeugung von komplexen räumlichen Objekten aus einer Vielzahl von Materialien durch selbst erstellte oder gemessene Daten. Diese können aus einer Unzahl von Quellen kommen, seien es Kameras, 3-D-Scanner, Computertomografen oder aus abstrakten mathematischen Konzepten. Die hohe Flexibilität bei der Erzeugung der Quelldaten erlaubt eine noch nicht dagewesene Individualisierung räumlicher Objekte. Eine Tasse etwas größer oder kleiner auszudrucken, ist zum Kinderspiel geworden, ebenso wie eine Schaufel mehr oder weniger an einer Modellturbine. Jeder druckt, was und wie es ihm gefällt.

Dabei geht es nicht nur um Spielerei, sondern im größeren Maßstab auch um Fertigung und Lagerhaltung. Wie viele Ersatzteile muss ein Unternehmen vorhalten, wenn es in Übersee unterwegs ist? Wie viel Umweltbelastung entsteht durch ihren Transport? Wie viele Teile davon werden nie benötigt und müssen doch da sein? Viel effizienter ist es, sie einfach vor Ort auszudrucken, entweder mit eigens dafür bereitgestellten Druckern oder direkt in einem Laden vor Ort. In New York, in vielen anderen Städten auch, gibt es Unternehmen, die bei Ideen, Design und Erzeugung der dreidimensionalen Daten unterstützen und diese dann auch zum Abholen ausdrucken oder – noch praktischer – gleich ins Haus liefern. In Berlin überprüft 3Yourmind, ein junges Start-up der TU Berlin, die Daten Ihres Prototyps oder Messeausstellungsstücks und schlägt Ihnen den dafür günstigsten 3-D-Druckservice vor. Kreativität wird mitvermarktet und ist Teil der Geschäftsidee.

Ein anderer großer Markt entsteht derzeit auf dem Medizinsektor. Auch wenn man vom Druck funktionierender Organe im Moment nur träumen kann, zeigt die Herstellung von Implantaten oder die Forschung zur additiven Fertigung von Knochen, Gelenken, künstlichen Blutgefäßen und Herzklappen, was schon jetzt möglich ist oder in absehbarer Zeit sein kann: passend für jedermann und individuell medizinische Eingriffe zu erleichtern oder gar erst zu ermöglichen.

Ein befreundeter Lehrer hat kürzlich mangels Finanzen Einzelteile eines 3-D-Druckers für seine Schule erworben und zusammengebaut. Für wenige Hundert Euro können die Kollegen seines Faches (Chemie) jetzt Anschauungsgegenstände für die ganze Klasse ausdrucken. Auch die anderen Fachvertreter stehen schon Schlange: Biologen, Physiker – allen fällt ein, was sie schon immer einmal ihren Schülern in die Hand geben wollten. Als nächstes wird der Lehrer wahrscheinlich versuchen, einen 3-D-Drucker zu drucken. Sicher wird – wie in zwei Dimensionen – auch in drei Dimensionen viel Unnötiges gedruckt werden.