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Pegida will mit Hymne Spenden sammeln, erntet aber Spott

| Lesedauer: 2 Minuten
Jennifer Kalischewski
Nun haben die Pegida-Anhänger ihre eigenen Hymne. Zumindest den Pegida-Gegnern gefällt das pathetische Lied nicht.

Nun haben die Pegida-Anhänger ihre eigenen Hymne. Zumindest den Pegida-Gegnern gefällt das pathetische Lied nicht.

Foto: imago/Robert Michael

Für 1,29 Euro steht die neue Pegida-Hymne im Internet zum Download bereit. Pegida will damit Spenden sammeln. Wofür, bleibt ungewiss.

Berlin.  Jetzt haben sie sogar eine eigene Hymne. Für Anhänger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, besser bekannt als Pegida, steht sie seit rund einer Woche etwa auf Amazon zum Download bereit. Für 1,29 Euro. „Gemeinsam sind wir stark!“ heißt sie – aber man hört kaum etwas.

In der 30-Sekunden-Hörprobe, in der zweiminütigen YouTube-Version und auch in der Fünf-Minuten-Fassung bleibt sie jedoch ziemlich inhaltsleer: Mehr als „Mmh, mmh, mmh“ und „La, la, la“ ist zu Klavier, Streichern und Schlagzeug nicht zu hören. Dafür tönen Spott und Kritik für die „Original-Hymne“ im Internet umso lauter.

Das Lied sei peinliche Realsatire, heißt es in noch freundlichen Kommentaren. „Ich habe es soeben angehört und muss sagen, es funktioniert einwandfrei! In just dem Moment, da ich sie anhörte, verkrampfte sich mein Körper und wurde ultradeutsch!“, kommentiert einer launig das Musikvideo auf YouTube. „Mir schoss zunächst ein kleines Bärtchen unter der Nase hervor, gleich danach wurde mein Scheitel strenger und mein rechter Hoden verabschiedete sich. Mein Stimme wurde kratziger, germanischer und vor allem lauterrrr. Außerrrrdem verrrspürrre ich auf einen mal so einen Drrrang, meine Nachbarrrn zu hassen und Unmengen an Bierrr zu konsumierrren. Endlich bin ich so rrrrichtig doitsch“, spottet er weiter.

„Akustischer Stuhlgang“

Ein anderer schreibt: „An dem abrupten Ende sollte sich Pegida ein Beispiel nehmen.“ Auch die Twitter-Nutzer finden keine freundlichen Worte und bezeichnen die Pegida-Hymne als „akustischen Stuhlgang“ oder als „Mischung aus Vangelis und Zahnputzbecherwassergurgeln“, zu dem „noch nicht mal Henry Maske eingezogen“ wäre.

Pegida-Hymne bei Amazon unter Top-100

Und auch bei Amazon häufen sich die negativen Kundenrezensionen mit nur einem Stern. „Alle Argumente der Pegidas in einem Song“, betitelt einer seine Bewertung und spielt auf den nicht vorhandenen Text an. „Ich bin ganz ergrifen! Es gibt nichts Schöhneres als dise Hyhmne“, schreibt ein anderer ironisch und orthografisch extra fehlerhaft.

So heftig die Pegida-Hymne auch kritisiert wird, sie steht Dienstagmorgen auf Bestseller-Rang 31 in den Amazon-Top-100 in der Kategorie „Songs“, bei den MP3-Downloads der Kategorie „Soundtracks“ gar auf Platz 1.

Pegida sammelt durch den Verkauf auf Download-Portalen nach eigenen Angaben Spenden. „Helfen Sie mit wenigen Cent“, heißt es auf der Pegida-Internetseite. Wofür gesammelt wird, bleibt jedoch unklar. Für diejenigen, die nicht spenden möchten, stellt Pegida einen kostenfreien Download des Liedes auf ihrer Homepage zur Verfügung.

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