Warschau –

Polnische Regierung bietet kleinere Zugeständnisse an

Warschau. Nach Massenprotesten in Polen gegen neue Regeln für das Verfassungsgericht hat die regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kleinere Zugeständnisse angeboten. Das Gesetzesvorhaben sieht vor, dass Entscheidungen mit Zweidrittel- statt einfacher Mehrheit und zudem in Anwesenheit von 13 der 15 Richter gefällt werden müssen. Die Opposition sieht darin einen Versuch, das Gericht arbeitsunfähig zu machen.

Der PiS-Abgeordnete Stanislaw Piotrowicz stellte am Montag in Aussicht, dass über Verfassungsbeschwerden von Bürgern auch ein kleinerer Senat mit sieben Mitgliedern entscheiden könnte. Seine Partei sei in dieser Angelegenheit „sehr flexibel“, sagte er der Agentur PAP zufolge. Der Abgeordnete Krzysztof Brejza von der oppositionellen Bürgerplattform (PO) betonte, es gebe „eine ganze Reihe von extrem kritischen Meinungen“ zu dem Gesetzesvorhaben.

Zehntausende Menschen hatten am Wochenende in mehr als 20 polnischen Städten für Demokratie und gegen die neue nationalkonservative PiS-Regierung demonstriert. Die Kritiker werfen der Regierung der PiS von Ministerpräsidentin Beata Szydło vor, Justiz und Verwaltung unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Sie befürchten eine ähnlich autoritäre Regierung wie die Viktor Orbans in Ungarn.