Paris/Berlin -

Neue Chance für Nicolas Sarkozy

Chef der Konservativen hat die Präsidentschaftswahl im Visier. Le Pen: Niemand wird uns aufhalten

Paris/Berlin. Einen Tag nach den französischen Regionalwahlen war bei den etablierten Parteien alles andere als Triumphgeheul zu hören. Zwar machte sich Erleichterung breit, dass der rechtsextreme Front National (FN) keine einzige der 13 Regionen erobern konnte. Doch die Stimmung war eher: „Noch einmal Glück gehabt.“ In der ersten Runde hatte der FN noch in sechs Regionen auf dem ersten Platz gelegen. Die Furcht bei den Sozialisten und den Konservativen war groß: Hätte der FN auch nur eine Region gewonnen, hätte die FN-Chefin Marine Le Pen einen gewaltigen Auftrieb mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Mai 2017 bekommen.

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, Chef der konservativen Republikaner, hat damit eine neue Chance. In Paris ist es ein offenes Geheimnis, dass es der 60-Jährige noch einmal wissen will: Es hat das Ziel, bei den Präsidentschaftswahlen 2017 als Kandidat der Republikaner ins Rennen zu gehen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass seine Partei sieben statt der erhofften neun bis zehn Regionen gewonnen hat. Vor allem dank der Sozialisten, die in den FN-Hochburgen im Norden und in der Mittelmeerregion ihre Kandidaten zugunsten der besser platzierten Konservativen zurückgezogen hatten.

Sarkozy hat dennoch die Schlüssel in der Hand, die Konservativen für die Präsidentschaftswahl 2017 aufzustellen. Zu Beginn seiner Präsidentschaft, in den Jahren nach 2007, hatte der konservative Politiker mit seinem Kurs für „Recht und Ordnung“ bei den Franzosen hohe Zustimmungsraten erzielt und den FN klein halten können.

Doch 2012 kam der Absturz. Sarkozy war nach seiner schmerzhaften Wahlniederlage gegen seinen sozialistischen Herausforderer François Hollande 2012 zunächst in der Versenkung verschwunden. Danach arbeitete sich Sarkozy Zug um bei den Konservativen hoch, bis zur Parteispitze. Ende November 2014 gewann er mit 65 Prozent die Urwahl zum Vorsitzenden der UMP, der Vorgängerin der heutigen Republikaner. Es gelang ihm, die von Flügelkämpfen geschwächte Partei zu einen. Mit Führungskraft und geschickter Bündnispolitik landete Sarkozy im Chefsessel. Normalerweise eine gute Ausgangsposition für die Präsidentschaftskandidatur. Am Montag trat Sarkozy mit besorgter Miene vor die Mikrofone. Er sprach von einer „Warnung“, die die Wähler in der ersten Wahlrunde ausgesprochen hätten und über die „wir nicht so einfach hinweggehen können“. Die Franzosen erwarteten jetzt Antworten „von uns“ auf die sie beängstigenden Fragen der Arbeitslosigkeit, der Sicherheit oder „unserer Identität“, mahnte er.

Bei den Sozialisten saß der Schock noch viel tiefer. „Die Gefahr, die von den Rechtsextremen ausgeht, ist noch nicht gebannt“, warnte Premierminister Manuel Valls. Die Sozialisten behalten in fünf Regionen das Ruder in der Hand. Sie schnitten damit besser ab, als sie noch vor zwei Wochen zu hoffen gewagt hatten. „Wir sind gerade noch einmal mit einem tiefblauen Auge davongekommen“, seufzte der Leiter eines Pariser Wahlbüros.

6,8 Millionen Stimmen für den FN

Der Mann bezog sich auf die landesweiten Ergebnisse, denen zufolge die etablierten Parteien immerhin zwölf Regionen halten konnten. Allein Korsika ging völlig überraschend an eine separatistische Regionalpartei. Der FN feierte das Wahlergebnis als weiteres wichtiges Etappenziel auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl 2017. „Niemand wird uns aufhalten“, sagte FN-Chefin Marine Le Pen. Im zweiten Wahlgang entfielen rund 6,8 Millionen Stimmen auf den FN. Das sind etwa 400.000 Wähler mehr als beim bisher besten Ergebnis, der Präsidentschaftswahl 2012. Bei den Kommunalwahlen im März dieses Jahres kam der FN auf rund 25 Prozent, bei der Europawahl im Mai 2014 fuhr die Partei 25,4 Prozent der Stimmen ein