Islamabad –

„Islamischer Staat“ bedroht auch Pakistan

In Libyen greifen Extremisten jetzt nach den Ölquellen

Islamabad. Es war einer der größten Anschläge in Pakistan in diesem Jahr. Und einer der grausamsten: Er traf vor allem Frauen, die auf einem Markt Winterkleidung kauften. 24 Menschen starben bei dem Bombenanschlag im Kurram-Tal im Nordwesten des Landes am Sonntag. Zu der Tat bekannte sich die Extremistengruppe Lashkar-e Jhangvi al-Alami, die mitteilte, man habe Schiiten treffen wollen. Die sunnitische Vereinigung ist für einen Großteil der konfessionellen Gewalt in Pakistan verantwortlich. Das Kurram-Tal wird von Schiiten bewohnt und war schon oft Ziel von Anschlägen. So weit nichts Neues.

Allerdings hat Lashkar-e Jhangvi al-Alami im Frühjahr auch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) Gefolgschaft geschworen. Und die Rechtfertigung, die die Gruppe für den Anschlag gebrauchte, weist in eine beunruhigende Richtung: Man habe Rache nehmen wollen dafür, dass Schiiten aus Kurram als Söldner in Syrien für das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpften. Und somit gegen den IS. Der Anschlag wirft die Frage auf, ob der IS es schafft, sich nach Syrien und dem Irak nun auch in Pakistan festzusetzen.

Der pakistanische Innenminister Nisar Ali Khan sagt regelmäßig, der IS sei nicht in Pakistan präsent. Das pakistanische Militär wiederum betont, man fahre eine Nulltoleranzpolitik. Allerdings richteten sich die Operationen vor allem gegen Taliban-Gruppen – jene islamistische Kämpfer, die in den vergangenen Jahren schwere Angriffe auf den Staat verübt hatten, unter anderem auf die Armeeschule im Dezember vergangenen Jahres. Sie richteten sich weniger gegen jene Extremisten, unter denen der IS in den vergangenen Monaten zunehmend Unterstützer gefunden hat: sunnitische Gruppen, die sich auf den interkonfessionellen Kampf gegen die schiitische Minderheit im Land konzentrieren.

In Libyen wiederum, wo seit dem Sturz des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos herrscht, versuchen die Islamisten mehr Einfluss auf das Ölgeschäft zu gewinnen. Demnach rücken Einheiten derzeit in Richtung wichtiger Ölfelder vor. Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte dem Radiosender RTL, bisher sei die IS-Organisation in Sirte an der Mittelmeerküste angesiedelt, wo sie einen Streifen von 250 Kilometern Länge kontrolliere. „Aber sie fangen an, ins Landesinnere vorzudringen und versuchen, sich Zugang zu Ölquellen und Ölreserven zu verschaffen.“ Ölgeschäfte sind eine wesentliche Finanzquelle der Terroristen.