Klimakonferenz

Der Pariser Klimagipfel geht in die entscheidende Phase

Der abschließende Entwurf für das Klimaabkommen beim Pariser Gipfel steht. Er soll nun am Samstagmorgen im Plenum verhandelt werden.

Sternenkrieger für die Umwelt: In „Star-Wars“-Montur demonstrierten diese Mitglieder einer Umweltorganisation in Paris für mehr Klimaschutz.

Sternenkrieger für die Umwelt: In „Star-Wars“-Montur demonstrierten diese Mitglieder einer Umweltorganisation in Paris für mehr Klimaschutz.

Foto: Simone Humm / dpa

Paris.  Entscheidende Stunden auf der Pariser Klimakonferenz: Nach schwierigen Verhandlungen präsentiert der französische Außenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius seinen Vorschlag für einen Weltklimavertrag.

Der neue Textentwurf liegt inzwischen vor. Das twitterte EU-Klimakommissar Miguel Arias Canete am Samstagmorgen. Er soll ab 11.30 Uhr am Samstagmorgen im Plenum verhandelt werden.

Der Entwurf will die verbliebenen Streitpunkte überbrücken und soll noch am Nachmittag von den 196 Vertragspartnern angenommen werden. Es wäre der erste Vertrag, mit dem sich nahezu alle Staaten auf Klimaschutz verpflichten.

Umweltschützer sind noch skeptisch

Umweltschützer fürchten allerdings, dass die Detailregelungen nicht ausreichen, um die Erderwärmung wie geplant auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Mit den bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzplänen würde die Temperatur auf der Erde um etwa 2,7 Grad steigen. Indien sieht die alle fünf Jahre geplanten Nachbesserungen der Ziele mit Skepsis und sieht zunächst die Industriestaaten in der Pflicht, die historisch viel mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre gepustet haben.

Am Freitag waren beträchtliche Spannungen deutlich geworden. Eine selbst ernannte Koalition der Ehrgeizigen aus EU, USA und zahlreichen Entwicklungsländern warnte davor, bei den Bestimmungen zum Klimaschutz hinter dem letzten Textentwurf zurückzubleiben. Umstritten ist nach wie vor die Frage der Finanzhilfen für Entwicklungsländer. EU und USA wollen hier künftig auch finanzstarke Schwellenländer zur Kasse bitten, diese lehnen das ab.

Hendricks: „Nicht nur der kleinste gemeinsame Nenner“

„Wir werden uns nicht mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner begnügen“, kündigte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks an. Fabius warnte die Teilnehmer davor, zu hoch zu pokern: „Wenn jeder auf seinen 100 Prozent besteht, dann gehen alle mit null Prozent nach Hause.“

Wegen anhaltender Differenzen hatte Gastgeber Frankreich die Konferenz um einen Tag verlängert. In fieberhaften Gesprächen im kleinen Kreis suchten Minister und Unterhändler am Freitag nach Kompromissen bei den heftig umstrittenen Kernpunkten. Auch Staatschefs schalteten sich ein.

Brasiliens Rolle gibt Hoffnung

Hoffnung schöpften Umweltschützer aus der Ankündigung, dass Brasilien sich der informellen Allianz für einen ehrgeizigen Klimavertrag anschloss. Christoph Bals von Germanwatch sah ein Anzeichen, dass sich Schwellen- und Industrieländer aufeinander zu bewegen. „Es zeichnet sich ab, dass Brasilien, Südafrika und Mexiko eine wichtige Brückenrolle für das Abkommen spielen können.“

„Die entwickelten Länder wehren sich etwas gegen die Pflicht, Geld an die Entwicklungsländer zu zahlen“, sagte der Umweltminister von Guatemala, Andreas Cord Lehnhoff Temme, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Knackpunkt sei die Frage, ob die Hilfen freiwillig oder verpflichtend werden sollten. Christoph Bals von Germanwatch betonte: „Um den gordischen Knoten aufzulösen, müssen sie sich zu regelmäßigen Finanzierungsrunden alle fünf Jahre verpflichten und eine klare Zusage geben, dass ein erheblicher Anteil der Klimafinanzierung für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels vorgesehen ist.“ (dpa)