Berlin –

Ovationen für Altkanzler Gerhard Schröder

Berlin. Das hat es lange nicht mehr gegeben in der SPD: Altkanzler Gerhard Schröder wird vom Parteitag mit stehenden Ovationen gefeiert, der Vorsitzende Sigmar Gabriel bedankt sich mit einer herzlichen Umarmung beim Altgenossen. Schröders Auftrag, die in diesem Jahr verstorbenen Sozialdemokraten Helmut Schmidt, Egon Bahr und Günter Grass in einer Rede zum Auftakt des Konvents zu ehren, macht die Rückkehr des Altkanzlers in die erste Reihe des Parteitags möglich. Anfangs tun sich die Genossen schwer mit ihm. Teile der SPD nehmen ihm die Agenda 2010 weiter übel, und sein Engagement für den russischen Gazprom-Konzern bleibt vielen verdächtig.

„Wir verbeugen uns vor großen Sozialdemokraten, deren Gedanken und Ideen uns begleiten werden“, sagt Schröder. „Ihr Antrieb lautete, ohne Frieden ist alles nichts.“ Grass, Bahr und Schmidt hätten „die Demokratie mitgeformt, auf die wir stolz sein können“. Ihr Tod rufe in Erinnerung, „was uns Sozialdemokraten im Kern zusammenhält – und was uns von anderen unterscheidet“. Obwohl Grass Anfang 90er-Jahre die SPD im Zorn verlassen hatte, macht Schröder ihn zum Impulsgeber für Rot-Grün ab 1998: „Die Durchlüftung einer erstarrten Gesellschaft hat Grass gefallen“, lobt Schröder seine eigene Regierungsbilanz. Er nennt Integrationspolitik, Familienpolitik, die Gleichstellung von Homosexuellen, die Energiewende. Darauf sei Grass stolz gewesen „und auch auf unser Nein zum Irakkrieg“. Da brandet starker Beifall auf für Schröder – dass er Deutschland aus dem Irakkrieg heraushielt, wird ihm von den Genossen mit dem Wissen von heute fast noch höher angerechnet als damals.

Auch bei der Ehrung Schmidts schlägt Schröder den Bogen zur Gegenwart: Schmidt habe die SPD „als Partei der wirtschaftlichen Kompetenz in der Mitte der Gesellschaft verankert. Das ist das, was Sigmar Gabriel jetzt versucht, und für das er jede Unterstützung verdient.“ Dann lobt Schröder seinen Vorgänger Schmidt noch dafür, dass ihm das Land im Zweifel wichtiger gewesen sei als die Partei – etwas, was Schröder über seine Agenda 2010 wohl ebenso sagen kann. Er spricht von „Entscheidungen, die einsam machen“. Es ist eine Rede, die die Seele der Partei berührt. Am Ende erhebt sich erst Gabriel, dann stehen die Delegierten auf, es gibt lange Ovationen. Schröder ist wieder da. Den Parteitag verfolgt er jetzt aus Reihe eins. Er wird wiederkommen – als Helfer für Kanzlerkandidat Gabriel.