Auszeichnung

„Time“: Angela Merkel ist die „Anführerin eines Kontinents“

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Dirk Hautkapp
Die letzte Frau vor Angela Merkel als „Persönlichkeit des Jahres“ war 1986 die philippinische Präsidentin Corazon Aquino. Die Bundeskanzlerin wird in den USA hoch respektiert.

Die letzte Frau vor Angela Merkel als „Persönlichkeit des Jahres“ war 1986 die philippinische Präsidentin Corazon Aquino. Die Bundeskanzlerin wird in den USA hoch respektiert.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Angela Merkel ist als vierte Frau überhaupt die „Person des Jahres“ im „Time“-Magazin. Die Kanzlerin sei eine Macherin mit Kompass.

Washington.  Als „Time“-Gründer Henry Luce die Kriterien für den seit 1927 vergebenen Titel der „Person des Jahres“ vorgab, war das Spektrum bewusst weit gezogen: „Wer die Nachrichten oder unser Leben in diesem Jahr am meisten beeinflusst hat, sei es im Guten oder im Schlechten“, der sollte die prestigeträchtige Auszeichnung des amerikanischen Nachrichten-Magazins erhalten.

So erklärt sich vielleicht, warum direkt hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel, die gestern als erste Frau seit fast 30 Jahren und als vierte Frau überhaupt auf dem Titelbild erschien, der Anführer der Kopfabschneider-Terrorbande „Islamischer Staat“, Abu Bakr al-Baghdadi, als Zweiter genannt wurde. Auf Rang drei landete der irrlichternde republikanische US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump. Letzterer, keine Überraschung angesichts seines egomanischen Charakters, konnte mit einer Replik nicht an sich halten: „Sie haben die Person gewählt, die Deutschland ruiniert“, twitterte Trump über Merkel.

Merkel stehe fest gegen Tyrannei

Für die auf dem Cover in Öl gemalte Merkel, die dadurch mit den früheren Bundeskanzlern Konrad Adenauer (1953) und Willy Brandt (1970) gleichzieht, gab nach Angaben von Chef-Redakteurin Nancy Gibbs den Ausschlag, dass sie in einer turbulenten Welt fest gegen Tyrannei steht und eine „unerschütterliche moralische Führung“ zeigt; gerade dann, wenn die Widerstände groß seien.

„Time“ würdigte Merkels Kurs in der Griechenlandkrise um den Euro, im Fall Ukraine/Putin, in der durch den Syrien-Krieg beschleunigten Flüchtlingskrise und im Kampf gegen die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS). Wo immer die Übernahme von Verantwortung gefragt gewesen sei, habe die Kanzlerin Größe gezeigt und ihrem Land „mehr abverlangt, als es die meisten Politiker wagen würden“.

Chefredakteurin lobte Merkel als Macherin mit Kompass

Insbesondere imponiert hat den „Time“-Leuten Merkels Haltung in der Flüchtlingskrise, die in den USA nicht existiert, gleichwohl hysterische Reaktionen und Ängste auslöst. Ihr Beharren auf den Slogan „Wir schaffen das“ sei umso beeindruckender, weil ihre eigenen Parteifreunde in der CDU und viele ihrer Wähler in der Flüchtlingskrise den Glauben an die Beherrschbarkeit des Problems verloren hätten. „In einer Zeit, in der ein Großteil der Welt mit wütenden Debatten über die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit beschäftigt ist, verlangt die Kanzlerin eine Menge von den Deutschen und, durch ihr Beispiel, dem Rest von uns: Fremde Menschen willkommen zu heißen. Ohne Angst zu sein. Daran zu glauben, dass große Zivilisationen Brücken – keine Mauern – bauen, und dass Kriege auf und neben dem Schlachtfeld gewonnen werden“, formuliert das Blatt.

Gibbs lobte die in Amerika bis ins Weiße Haus hoch respektierte Merkel als Macherin mit Kompass: „Man kann ihr zustimmen oder auch nicht. Aber sie geht nicht den einfachen Weg.“ Merkel sei durch ihre Arbeit „de facto die Anführerin eines Kontinents“ geworden.

Neben Merkel, al-Baghdadi und Trump wurden noch Uber-Geschäftsführer Travis Kalanick, die Protestbewegung „Black Lives Matter“ und Irans Präsident Hasan Ruhani ausgezeichnet. Die letzte Frau vor Merkel als „Persönlichkeit des Jahres“ war 1986 die philippinische Präsidentin Corazon Aquino.

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