Anschläge

Fouad Mohamed Aggad – der „nette Junge“ aus Straßburg

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Heusch
Kerzen, Blumen und unzählige Briefe liegen vor dem Konzertsaal Bataclan in Paris – so gedenken die Menschen den Opfern der Anschläge vom 13. November.

Kerzen, Blumen und unzählige Briefe liegen vor dem Konzertsaal Bataclan in Paris – so gedenken die Menschen den Opfern der Anschläge vom 13. November.

Foto: Ian Langsdon / dpa

Der dritte Pariser Attentäter des Bataclans wurde identifiziert. Fouad Mohamed Aggad galt als integriert, bevor er in den Dschihad zog.

Paris.  Nach drei Wochen ist es der französischen Polizei gelungen, auch den dritten Attentäter einwandfrei zu identifizieren, der am 13. November an den Terroranschlägen in der Pariser Konzerthalle Bataclan beteiligt war. Es handelt sich um den aus Straßburg stammenden Franzosen Fouad Mohamed Aggad. Er war erst 23 Jahre alt, als er sich wie seine beiden Mittäter im Bataclan in die Luft sprengte.

Aggad und sein zwei Jahre älterer Bruder Karim gehörten einer 10-köpfigen Gruppe aus dem Straßburger Problemviertel Meinau an, die im Dezember 2013 geschlossen in den Dschihad zogen. Ihren Eltern hatten die jungen Männer vorgelogen, sie wollten Urlaub in Dubai machen. Doch in Wirklichkeit besteigen sie in Frankfurt ein Flugzeug der Turkish Airlines, um nach Antalya zu fliegen. Von dort aus reisen sie auf dem Landweg weiter nach Syrien, schließen sich dem IS an und landen in einem Trainingslager unweit von Aleppo.

Aggad blieb über das Internet mit Familie in Kontakt

Nachdem zwei Mitglieder der Straßburger Gruppe bei Kämpfen mit syrischen Rebellen den Tod fanden, kehren sieben der jungen Männer nach Frankreich zurück. Allein Aggad bleibt in Syrien. Die Heimkehrer werden im Mai 2014 ausnahmslos verhaftet. In Verhören behaupten die Männer steif und fest, sie hätten lediglich humanitäre Hilfe leisten wollen und seien zurückgekehrt, nachdem sie die Schrecken des Bürgerkriegs mit eigenen Augen gesehen hatten. Dennoch sitzt Aggads Bruder Karim bis heute in Haft.

Fouad Mohamed Aggad hingegen soll Syrien nicht verlassen haben. Aber er bleibt über das Internet in Kontakt mit seiner Familie und Freunden in Frankreich, postet auf Facebook regelmäßig Fotos aus dem Bürgerkrieg und spricht fast täglich via Skype mit seiner Mutter. Erst seit dem Oktober meldete er sich auf einmal überhaupt nicht mehr.

Aggads Mutter glaubt zuerst, dass ihr Sohn von der IS-Führung in den Irak geschickt wurde. Doch vergangene Woche erhält sie eine SMS aus Syrien mit der Nachricht, dass „Fouad am 13. November in Paris als Märtyrer gestorben“ sei. Weil die verzweifelte Frau sich daraufhin sofort an die Polizei wendet, gelingt es den Forensikern schließlich, durch den Vergleich von DNA-Proben mit Verwandten Aggads schwer verstümmelten Leichnam zu identifizieren.

Meinau-Gruppe wurde über Moschee in Elsau radikalisiert

Wann und auf welchem Weg Aggad vor den Anschlägen nach Frankreich gelangte, ist nach wie vor völlig unklar. Fest steht hingegen seit wenigen Tagen, dass er am Abend des 13. Novembers gemeinsam mit den beiden Syrien-Rückkehrern Omar Ismail Mostefaï und Samy Amimour kaltblütig 90 Menschen tötete, bevor er sich mit seiner Sprengstoffweste in die Luft jagte.

Wie aus Ermittlerkreisen verlautet, soll die gesamte Meinau-Gruppe über eine Moschee in Elsau radikalisiert worden sein. Dort waren die jungen Männer offenbar an den aus Lyon stammenden Islamisten Mourad Fares geraten, der als einer der eifrigsten IS-Anwerber in Frankreich gilt. Fares ist im September 2014 wegen der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor einem Pariser Gericht angeklagt worden und wartet in U-Haft auf seinen Prozess.

Vor seiner Ausreise nach Syrien aus Frankreich ist Fouad Mohamed Aggad nie in das Visier von Polizei oder Justiz geraten. Der Sohn marokkanischer Einwanderer galt als gut integriert, war nicht vorbestraft und hatte den Ruf, ein „sehr netter Junge“ zu sein. Das unterscheidet ihn auffällig von den anderen Mitgliedern der Pariser Terrorkommandos, die alle bereits ein langes Strafregister als Kleinkriminelle oder Drogenhändler hatten, bevor sie sich radikalisierten.

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