Politik

Das unsägliche große Du in Briefen …

| Lesedauer: 4 Minuten

… sorgt für allerlei Verwirrung bei den Anredefürwörtern. Seien Sie konsequent und schreiben es klein!

Ein Nomen war als zusammenfassende Bezeichnung für Substantiv und Adjektiv ursprünglich ein deklinierbares Wort, das weder Pronomen noch Artikel ist. Heute versteht man unter den Nomen in der Regel nur die Substantive. Ein Pronomen steht für ein Nomen („pro Nomen“), ist also ein Fürwort. Pronomen übernehmen in der Sprache wichtige Funktionen. Sie können ein Substantiv ersetzen, auf etwas Folgendes hinweisen oder auf etwas bereits Genanntes zurückführen. Dadurch werden Wiederholungen und komplizierte Konstruktionen vermieden.

Der Schüler geht nach Hause. Der Schüler freut sich auf das Wochenende. Unser doppelter Schüler erweckt den Eindruck mangelnder sprachlicher Flexibilität und gilt als stilistisch unschön. Also ersetzen wir das Nomen im zweiten Satz durch ein Pronomen:Er freut sich auf das Wochenende – und schon nähern wir uns in großen Schritten einem der vielen Journalistenpreise.

Die Pronomen sind eine weitverzweigte Familie. Es gibt die Personalpronomen (persönliche Fürwörter; ich, du, er/sie/es), die Reflexivpronomen (rückbezügliche Fürwörter; sich), die Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter; mein, dein), die Demonstrativpronomen (hinweisende Fürwörter; dieser, jener, solcher), die Indefinitpronomen (unbestimmte Fürwörter; jeder, jemand, niemand, mancher), die Interrogativpronomen (Fragefürwörter; wer?, was?, welche?, wessen?) und schließlich die Relativpronomen (der/die/das, welcher/welche/welches), die einen Relativsatz einleiten. Dabei muss man aufpassen, dass das „das“ im Relativsatz als „das“ mit einem „s“ geschrieben wird und nicht wie die Konjunktion „dass“ mit Doppel-s.

Betrachten wir die Personalpronomen, deren Formen sich in der 1., 2. und 3. Person im Singular (Einzahl) und im Plural (Mehrzahl) unterscheiden, zum Beispiel: ich, meiner, mir, mich, wir, unser, uns, uns.Wohlgemerkt: Der Genitiv lautet „meiner“ und „unser“, der Dativ „mir“ und „uns“. Es heißt demnach hochsprachlich wegen meiner, wegen unser und nicht „wegen mir“ bzw. „wegen uns“. Da das heutzutage etwas gestelzt klingt, sagen Sie am besten meinetwegen und unsertwegen.

Nomen schreibt man groß, Pronomen schreibt man klein – im Allgemeinen. Selbst die Pronomen „du“ und „ihr“ sowie die entsprechenden Possessivpronomen „dein“ und „euer“ werden kleingeschrieben: Was hast du dir dabei gedacht? Ich habe euch vorhin in der Stadt gesehen. Leider gibt es eine unsägliche Ausnahme, die seit Generationen für Verwirrung sorgt: In Briefen kann das vertrauliche Anredepronomen auch großgeschrieben werden: Liebe Oma, wie hat Dir/dir Dein/dein Geschenk gefallen?

Bis 1998 musste das Du in Briefen großgeschrieben werden, bis 2006 musste es auch in Briefen kleingeschrieben werden, nach der Verschlimmbesserung der Rechtschreibreform soll es jetzt wieder großgeschrieben werden, muss aber nicht! Wohlgemerkt: Das gilt nur in Briefen! Leider wurde und wird diese Ausnahme selbst in professionellen Texten, Medien und Zitaten fälschlicherweise auch auf die wörtliche Rede übertragen: „Das bleibtDein Problem“, sagte Manuel Neuer zu Lahm. Das ist Unfug, das ist falsch! Eine wörtliche Rede ist kein Brief!

Die Höflichkeitsanrede „Sie“ und das Possessiv „Ihr“ werden dagegen immer großgeschrieben – immer, im Brief, im Text, in der wörtlichen Rede und auch in dieser Kolumne, wenn ich Sie als Leser anrede. Die Formen entsprechen dabei der 3. Person Plural, egal, ob eine Einzelperson oder eine Gruppe gemeint ist: „Kommen Sie doch herein!“, sagte Vater zum Nachbarn wie auch: „Treten Sie näher!“, bat Mutter die Gäste. Als häufiger Fehler ist zu beobachten, dass zwar das Personalpronomen großgeschrieben wird, aber nicht das zugehörige besitzanzeigende Fürwort: „Grüßen Sie ihre Frau!“, sagte er zum Abschied. Nein, natürlich „Ihre“ Frau! Wir wollen hier nicht untersuchen, ob man eine Frau überhaupt besitzen kann, aber großschreiben sollte man sie schon.

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