Waffengesetze

Weg mit den Waffen: Wie Australien es den USA vormachte

Am Donnerstag waren es 7158 Tage ohne einen Amoklauf: Australien und seine Waffengesetze rücken in den Fokus vieler US-Amerikaner.

Waffen zur Verschrottung: Australien verschärfte nach einem Amoklauf nicht nur seine Waffengesetze, sondern kaufte Gewehre auf. Aktuell läuft wieder eine Amnestie für Menschen, nicht registrierte Waffen abgeben zu können. Australien dient vielen Amerikanern als Vorbild.

Waffen zur Verschrottung: Australien verschärfte nach einem Amoklauf nicht nur seine Waffengesetze, sondern kaufte Gewehre auf. Aktuell läuft wieder eine Amnestie für Menschen, nicht registrierte Waffen abgeben zu können. Australien dient vielen Amerikanern als Vorbild.

Foto: David Gray / Reuters

Washington.  Die gleichen Nachrichten, die gleichen Beileidsbekundungen, die gleichen Gebete – und die gleiche Untätigkeit: In den USA sind viele Bürger die Reflexe ihrer Politiker leid, wenn es wieder ein „Mass Shooting“ gegeben hat, wenn wieder irgendwer durchgedreht ist, wild um sich gefeuert und gezielt Menschen erschossen hat. Große Furore machte da im Netz das wütende Cover der „Daily News“ aus New York: „Gott löst das nicht“. Diesmal waren es 14 Todesoppfer eines später von der Polizei erschossenen Paares in San Bernardino in Kalifornien.

Die Zeitung zeigt die getwitterten Reaktionen von Politikern auf die Tat und schreibt: „Feiglinge, die es beenden könnten, versteckten sich hinter Plattitüden.“ Bei der Frage, wie es beendet werden könnte, verweisen nun viele Amerikaner in sozialen Netzwerken nach Australien. 7158 Tage ist es dort her, dass es einen solchen Fall gab, wie die USA in diesem Jahr bereits 352 zählten. 352 Massenmorde in 337 Tagen. Jedes Mal ein neuer Schock.

Und die einzige Lehre, die daraus gezogen wird: Die Waffenlobby kommt durch damit, mehr Waffen zu empfehlen. So könnten Täter früher gestoppt werden. Dabei haben die USA pro 100.000 Bewohner schon deutlich mehr Tote zu beklagen als andere westliche Länder mit strengeren Waffengesetzen.

Australien hat gezeigt, dass es anders geht. Es war am 28. April 1996 eine nationale Tragödie, das Entsetzen unermesslich: Ein geistig verwirrter Täter hatte in Port Arthur in Tasmanien mit zwei Sturmgewehren 35 Menschen getötet, darunter viele Kinder. 23 Menschen wurden verletzt. „Ich mache etwas, wonach sich jeder an mich erinnern wird“, soll er vorher einem Nachbarn gesagt haben. Begonnen hatte sein Amoklauf bei einem Ehepaar, das seinem Vater ein Haus weggeschnappt hatte. Er fuhr dann zu einem beliebten Touristenziel.

Australien schwenkte danach radikal um. Die bis dato laxen Waffengesetze wurden drastisch verschärft, zudem begann die Regierung ein Aufkaufprogramm: Für Millionen wurden Hunderttausende Gewehre aufgekauft und vernichtet. Auch dort gab es den Protest derjenigen, die sich in ihrer Freiheit beschränkt fühlten. Aber seither ist die Zahl der Toten durch Schusswaffen deutlich zurückgegangen.

Darauf verweisen jetzt auch in den USA viele, wo der Trend gegenläufig ist. Durch Feuerwaffen sterben immer mehr Menschen. Und am Schnäppchentag „Black Friday“, kurz nach der Nachricht von der Schießerei in einer Abtreibungsklinik, hatte das FBI so viel wie nie zu tun mit der Abfrage von Kaufinteressenten: 185.345 Hintergrundüberprüfungen. Zwei Abfragen pro Sekunde gingen von lizenzierten Waffenhändlern ein, berichtete die New York Times. Und 40 Prozent der Waffenverkäufe laufen nach Schätzungen über nicht lizensierte Händler.

In Australien erinnern sich Behörden weiter an den Erfolg von einst: Im Bundesstaat South Australia läuft seit einigen Tagen eine zunächst auf sieben Monate begrenzte Amnestie, unregistrierte Schusswaffen abgeben zu können. In Polizeidiensstellen und bei 45 Händlern können Waffen folgenlos abgegeben werden, obwohl das Gesetz für den Besitz nicht angemeldeter Waffen Geld- und Freiheitsstrafen vorsieht. Innenminister Tony Piccolo wurde von NBC mit den Worten zitiert: „Es geht darum, unsere Gesellschaft sicherer zu machen.“ Die Behörden haben dabei vor allem auch vor Augen, dass in den vergangenen drei Jahren Waffen 670 Schusswaffen gestohlen wurden und damit Kriminellen in die Hände gefallen sind.

Zugleich gibt es aber auch in Australien eine steigende Zahl von Waffenbesitzern. Im Parlament von New South Wales sitzt mit der Fischer- und Jägerparte sogar eine politische Gruppe, die für leichteren Zugang zu Waffen kämpft. Der Parteivorsitzende Robert Borsak spricht sich sogar für Schießen und Waffenkunde als Teil des Lehrplans an australischen Schulen aus. „Die iPad- und Facebook-Generation vergisst sonst ihre Wurzeln“, zitierte ihn das Deutschlandradio.