Präsidentenbeleidigung

Türke steht wegen Erdoğan-Gollum-Vergleich vor Gericht

Wenn es um Beleidigung seiner Person geht, versteht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wenig Spaß.

Wenn es um Beleidigung seiner Person geht, versteht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wenig Spaß.

Foto: CHRISTIAN HARTMANN / REUTERS

Weil er auf Twitter Präsident Erdoğan mit dem „Herr der Ringe“-Geschöpf Gollum verglichen hat, droht einem Türken eine Haftstrafe.

Berlin.  Den Präsidenten zu beleidigen, ist in der Türkei eine Straftat. Den Tätern droht Gefängnis. Jetzt befasst sich die türkische Justiz Medienberichten zufolge mit Bildern, auf denen Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit der Figur Gollum aus der „Herr der Ringe“-Trilogie verglichen wird. Gollum wird in „Herr der Ringe“ als kleines, schleimiges Geschöpf beschrieben, dessen Körper und Geist durch die Sehnsucht und das Verlangen nach dem Ring entstellt sei.

Der Türke Bilgin Çiftçi soll im Internet Bilder verbreitet haben, die den Präsidenten in verschiedenen Posen mit Gollum vergleichen, etwa mit überraschtem Gesichtsausdruck, lächelnd oder beim Essen, berichtet etwa der britische Sender BBC. Auf Twitter sind die Bilderpaare mittlerweile immer weiter geteilt worden.

Richter bittet Experten um Unterstützung

In dem Gerichtsverfahren sollen sich nun Experten mit dem Fall auseinandersetzen und klären, ob der Erdoğan-Gollum-Vergleich tatsächlich den Straftatbestand der Präsidentenbeleidigung erfülle, weil der Richter nach eigenen Angaben weder die „Herr der Ringe“-Bücher noch den Film kenne und nur Teile davon gesehen habe. Zu dem Experten-Team gehören laut unterschiedlicher Medienberichte etwa zwei Wissenschaftler, zwei Psychologen und ein Filmexperte.

Mit einem Urteil ist erst im kommenden Jahr zu rechnen. Der Prozess soll im Februar fortgesetzt werden. Die türkische Regierung um Präsident Erdoğan ist bekannt für ihren harten Umgang mit Kritikern. So seien dem BBC-Bericht zufolge zwischen August 2014 und März 2015 236 Fälle wegen Präsidentenbeleidigung untersucht worden. 105 Personen seien demnach schuldig gesprochen worden, acht mussten in Haft. (jkali)

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