Anti-Terror

Die Bundeswehr will 1200 Soldaten für Syrien-Mission

Die Bundeswehr rüstet sich für den Einsatz gegen Islamisten in Syrien. Über 1000 Soldaten sollen bei der Mission zum Einsatz kommen.

Ein Tornado des Aufklärungsgeschwaders 51 der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst in Jagel.

Ein Tornado des Aufklärungsgeschwaders 51 der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst in Jagel.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Berlin.  Der geplante Bundeswehreinsatz zum Kampf gegen den Terror des „Islamischen Staates“ (IS) wird viel umfassender als zunächst angenommen: Die Bundeswehr rechnet allein für die neue Mission in Syrien und im Irak mit 1200 Soldaten – es wäre der größte laufende Auslandseinsatz. Zählt man weitere Marschbefehle nach Mali und Nordirak hinzu, wird die Truppe fast 2000 Soldaten zusätzlich im Zusammenhang mit dem Anti-Terror-Kampf bereitstellen.

In welchem Ausmaß die Bundeswehr schon zu Beginn in Syrien und im Irak gefordert ist, machte Generalinspekteur Volker Wieker in der „Bild am Sonntag“ deutlich: „Aus militärischer Sicht wird die für den Betrieb der Flugzeuge und Schiffe notwendige Zahl voraussichtlich bei etwa 1200 Soldaten liegen.“ Die Operation könne sehr rasch nach der Erteilung des Mandats durch den Bundestag beginnen. Das Kabinett will am Dienstag eine Vorlage beschließen. Eine Bundestagsentscheidung wird spätestens Mitte Dezember fallen. Denkbar, aber nicht wahrscheinlich sei eine Zustimmung auch schon diese Woche, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold unserer Redaktion.

Ob 1200 Soldaten nötig seien, sieht Arnold als offen

Im Parlament sehen er und andere Fachleute der Koalition, die die Mission grundsätzlich gutheißen, aber noch Klärungsbedarf. „Wir erwarten von der Verteidigungsministerin, dass sie jetzt sehr schnell präzise eine Aufstellung über den Bedarf vorlegt“, erklärte Arnold. Die erforderliche Truppenstärke hänge vor allem davon ab, an welchem Standort die Tornado-Jets und Tankflugzeuge stationiert würden – je nachdem, ob sich die Bundeswehr auf eine vorhandene Logistik stützen könne. Ob tatsächlich 1200 Soldaten notwendig seien, sieht Arnold als offen an. Doch geht die Bundeswehr nach Angaben aus Regierungskreisen bereits von einem längeren Einsatz aus, Kontingentwechsel eingeschlossen.

Im Kern geht es um Luftwaffenunterstützung bei der Bombardierung von Stellungen des „Islamischen Staates“. Sechs Tornado-Kampfjets mit Aufklärungstechnik zur Zielerkundung, dazu ein oder zwei Luftbetankungsflugzeuge zur Versorgung alliierter Kampfbomber will Deutschland stellen. Als Stützpunkte werden jetzt das türkische Incirlik und das jordanische Amman geprüft.

Neuer Anti-Terror-Kampf wird zur Herausforderung

Den Flughafen des Nato-Partners Türkei nutzen bereits die USA und andere Staaten der Anti-IS-Allianz für ihre Kampfflugzeuge. Für den Stützpunkt in Jordanien müsste aber nicht nur eine eigene Logistikkette mit hohem Personalaufwand aufgebaut werden, es würden wohl auch größere Einheiten zum Eigenschutz benötigt. Gebraucht werden so oder so Einsatzcrews, Techniker, Sanitäter, Stabspersonal und womöglich auch eigene Evakuierungstrupps: Es bestehe die Gefahr, dass die Tornados vom Boden beschossen würden, räumte Wieker ein. Schon als die Tornado-Kampfjets bis 2010 über Afghanistan flogen, bekam die Bundeswehr dafür 500 Soldaten genehmigt. Die Fregatte, die als Geleitschutz für den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ vor syrischen Gewässern kreuzen soll, hat eine Besatzung von 250 Soldaten. Auch für die Führungsstrukturen der Anti-IS-Koalition muss die Bundeswehr Soldaten bereitstellen.

Der neue Anti-Terror-Kampf wird damit schon zu Beginn eine massive Herausforderung für die Truppe: Geplant ist ja auch die Aufstockung der Mali-Mission um 650 Soldaten zur Entlastung Frankreichs, mögliche Kampfeinsätze gegen islamische Extremisten eingeschlossen. Hinzu kommt eine Verstärkung der Ausbildungsmission im Nordirak von 100 auf 150 Soldaten. So bringen diese Wochen eine Wende für die Truppe, die nach Jahren der Überstrapazierung gerade etwas weniger gefordert schien: Im vergangenen Jahrzehnt waren zeitweise 10.000 Soldaten im Ausland, derzeit sind es nur noch 3000 – wichtigste Einsatzgebiete sind Afghanistan und Kosovo.

Unklar ist noch, wer das Kommando für die Militäroperationen gegen den IS führt. Zwar folgt Berlin einer Bitte Frankreichs. Doch vor allem die Aufklärungstornados werden nach Angaben aus Regierungskreisen wohl Teil der US-geführten Anti-IS-Koalition sein, die ihr Hauptquartier in Kuwait hat.