SPD-Chef

Juso-Chefin tadelt Gabriel: „Sigmar, bist du noch bei uns?“

Juso-Chefin Johanna Uekermann lobt die Kanzlerin. Im Gegenzug keilt sie mächtig gegen den eigenen Parteichef Sigmar Gabriel aus.

Die Bundesvorsitzende der Jusos, Johanna Uekermann, hat sich am Freitagabend den SPD-Chef Sigmar Gabriel vorgeknöpft.

Die Bundesvorsitzende der Jusos, Johanna Uekermann, hat sich am Freitagabend den SPD-Chef Sigmar Gabriel vorgeknöpft.

Foto: Ingo Wagner / dpa

Bremen.  Die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann hat beim Bundeskongress des SPD-Nachwuchsverbandes Parteichef Sigmar Gabriel massiv angegriffen. Sie vermisse so einiges bei Gabriel, sagte die 28-Jährige am Freitagabend in Bremen. „Vor allem aber eins: den Respekt vor unserer Partei.“

Als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik so etwas wie Rückgrat gezeigt habe, „war Sigmar sich nicht zu blöde, sie rechts zu überholen“, kritisierte Uekermann. Als Tausende gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP demonstriert hätten, habe Gabriel eine ganzseitige Zeitungsanzeige für TTIP geschaltet. „Sigmar, bist du noch bei uns?“, rief sie fragend den Delegierten zu, die ihr stehend Beifall spendeten.

„Wir Jusos lassen uns nicht unterkriegen“

Sie werde oft gefragt, was sie noch in der Partei halte. „Ich kann es Euch sagen: Weil unsere Partei mehr ist als ihr aktueller Vorsitzender. Weil sie mehr ist als die aktuelle Bundestagsfraktion und die Große Koalition. Wir Jusos lassen uns nicht unterkriegen.“ Uekermann warb offensiv für ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis. Johanna Uekermann wurde am Freitag mit 72,3 Prozent der Delegiertenstimmen als Jusos-Bundeschefin wiedergewählt.

Schon zuvor hatte es Ärger zwischen der Jusos-Chefin und der SPD gegeben – als sie Angela Merkel für ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik gelobt hatte: „In dieser Frage muss man echt sagen, dass sie zum allerersten Mal in ihrer zehnjährigen Kanzlerschaft so etwas wie Rückgrat zeigt“, so Uekermann.

In der eigenen Partei bekam sie dafür reichlich Kritik: „Juso-Bundesvorsitzende geht CDU-Vorsitzender auf den Leim und fällt eigener Partei in den Rücken. Unlogisch, unsolidarisch, unklug“, twitterte etwa der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil. (dpa)