Minden/Paris –

Terroristenjagd auch in NRW

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Salah Abdeslam weiter auf freiem Fuß. Sprengstoffgürtel in Paris gefunden

Minden/Paris. Die Suche nach dem mutmaßlichen Topterroristen Salah Abdeslam, der mit den Anschlägen von Paris in Verbindung gebracht wird, ist gestern auf Nordrhein-Westfalen ausgeweitet worden. In der Kleinstadt Rahden (Ostwestfalen) startete die Polizei einen Einsatz, bei dem ein Verdächtiger auf dem Parkplatz eines Supermarktes festgenommen wurde. Später ließ die Polizei den Mann wieder frei. Ein Hinweis auf Abdeslam, der der Bruder eines der Selbstmordattentäter ist, bestätigte sich nicht.

Auch eine weitere Spur nach Deutschland wurde geprüft: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) berichtete am Abend von dem dringenden Verdacht, einer der Attentäter von Paris sei mit einem gefälschten Paß nach Bayern eingereist und dort als Flüchtling registriert worden. Später korrigierte Herrmanns Ministerium die Angaben und erklärte, eine Überprüfung habe den Hinweis nicht bestätigt.

Im Pariser Vorort Montrouge entdeckte die Müllabfuhr unterdessen einen weggeworfenen Sprengstoffgürtel – er ähnelt denjenigen Gürteln, mit denen sich am 13. November in Paris sechs Attentäter in die Luft gesprengt hatten. Der Gürtel soll neben Sprengstoff auch Metallteile enthalten haben. In der Nähe des Fundortes war am Abend der Terrorserie in der französischen Hauptstadt das Mobiltelefon von Salah Abdeslam geortet worden.

Zuggäste, die den französischen Hochgeschwindigkeitszug Thalys benutzen wollen, müssen aufgrund der intensiven Terrorfahndung mit verstärkten Zugangskontrollen rechnen. An den Bahnhöfen in Paris und Lille sollen an Thalys-Gleisen bis zum 20. Dezember Sicherheitsschleusen eingerichtet werden. Zudem wird geprüft, im internationalen Bahnreiseverkehr personengebundene Tickets einzuführen. An Bahnhöfen mit internationalen Verbindungen werde mehr kontrolliert, kündigte die zuständige Ministerin Ségolène Royal am Dienstag an. Thalys-Züge verkehren zwischen Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Auch in Brüssel, Amsterdam und Köln sollen Sicherheitsschleusen eingerichtet werden.

Am Dienstag wurde bekannt, dass der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, auf dem Weg nach Paris auch Athen passierte. Wie Medien berichteten, lieferte eine DNA-Probe Sicherheit. Sie war nach dem Tod des 27 Jahre alten Terroristen von der französischen Polizei an die griechischen Behörden übermittelt worden.

In Brüssel gilt weiter die höchste Terrorwarnstufe. Dennoch normalisiert sich langsam wieder das Leben in der belgischen Hauptstadt. Das Atomium, Wahrzeichen der belgischen Hauptstadt, öffnete gestern ebenso wie benachbarte Einrichtungen seine Türen. Auch städtische Museen konnten wieder besucht werden. Große Geschäfte in den Randbezirken Brüssels kehrten langsam zum Alltag zurück. Die U-Bahn stand weiterhin still, Straßenbahnen und Busse fuhren aber. Schulen sollten ab Mittwoch wieder den Betrieb aufnehmen.

Die maximale Terrorwarnstufe vier soll noch bis Montag in der Hauptstadt gelten. Unterdessen schrieb die Staatsanwaltschaft in Brüssel einen weiteren Terrorverdächtigen international zur Fahndung aus. Gesucht wird der 30jährige Mohamed Abrini, der zwei Tage vor den Attentaten mit Salah Abdeslam an einer französischen Tankstelle in Richtung Paris gefilmt wurde.

( dpa )

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