Annektierung

Wer ist für den „Blackout“ auf der Krim verantwortlich?

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine der zerstörten Stromleitungen in der Ukraine mit der Flagge der Krimtataren: Die Krim bezieht ihren Strom zu 70 Prozent vom Festland.

Eine der zerstörten Stromleitungen in der Ukraine mit der Flagge der Krimtataren: Die Krim bezieht ihren Strom zu 70 Prozent vom Festland.

Foto: Hromadske Tv / dpa

Von dem „Blackout“ auf der Krim sind rund 1,6 Millionen Menschen betroffen. Möglicherweise stecken ukrainische Aktivisten dahinter.

Sewastopol/Moskau.  Nach Anschlägen auf Starkstromleitungen in der Ukraine ist es auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu einem völligen „Blackout“ gekommen. Fast zwei Millionen Menschen waren zunächst ohne Licht und Heizung, wie die örtlichen Behörden am Sonntag mitteilten. Mit eigenen Kraftwerken sowie mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren sei die Versorgung zumindest in größeren Städten teilweise wieder hergestellt worden, sagte Sprecher Michail Scheremet der Agentur Tass zufolge. Jedoch waren am Mittag immer noch rund 1,6 Millionen Menschen nach dem „Blackout“ ohne Strom.

Einige Indizien deuten darauf hin, dass für den „Blackout“ ukrainische Nationalisten verantwortlich sind. Laut eines Berichts der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti gab es in der Region am Samstagabend eine Demonstration von Krimtataren. Videoaufnahmen zeigen angeblich Krimtataren, die den Stromausfall feiern.

Die Führung der Krim erklärte den Montag wegen der Notlage zum arbeitsfreien Tag. Das öffentliche Leben sei lahmgelegt. Die völkerrechtlich zur Ukraine gehörende Halbinsel bezieht ihren Strom zu 70 Prozent vom ukrainischen Festland.

Moskau nennt Sabotage einen „Terrorakt“

Aus Moskau kam scharfe Kritik an der Sabotage. „Das ist ein Terrorakt“, meinte der Abgeordnete Franz Klinzewitsch von der Kremlpartei Geeintes Russland. Die Behörden auf der 2014 von Russland annektierten Halbinsel riefen nach dem massiven Stromausfall den Notstand aus. Die Führung der Krim setzte einen Krisenstab ein.

Um Energie zu sparen, werde nun der Strom immer wieder für einige Stunden kontrolliert abgeschaltet und die Wasserversorgung eingeschränkt, sagte Scheremet. Bei Außentemperatur in der Schwarzmeer-Region von plus 18 Grad Celsius bestehe keine große Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. Die Brennstoffvorräte würden für mehrere Wochen reichen, hieß es. Moskau hatte angekündigt, den Bau von Gaskraftwerken auf der Krim voranzutreiben. Bisher blieb es aber bei Absichtserklärungen.

Krim-Führung ruft arbeitsfreien Montag aus

Seit mehr als zwei Monaten blockieren Krimtataren und ukrainische Aktivisten Warentransporte auf die Krim und fordern von der Führung in Kiew das Kappen der Stromversorgung. Damit soll die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker auf die Halbinsel erreicht werden. Laut

Die Stromleitungen im Raum Cherson waren bereits beschädigt. Beim Versuch von Sicherheitskräften, Reparaturtrupps am Samstag Zugang zu den Masten zu verschaffen, kam es zu Rangeleien mit Demonstranten.

Strom wird stundenweise abgeschaltet

Juri Kassitsch von der ukrainischen Energiefirma Ukrenergo sagte, die Wiederherstellung der Versorgung könnte bis zu vier Tage dauern. „Wir haben der Ukraine unsere Hilfe bei der Reparatur angeboten. Sie haben abgelehnt“, sagte ein Mitarbeiter des russischen Zivilschutzes. In den südukrainischen Gebieten Cherson und Mykolajiw seien 40 Prozent der Versorgung gefährdet, sagte Energieminister Wladimir Demtschischin in Kiew. In zwei Kreisen sei der Strom ausgefallen. (rtr/dpa)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos